Gorecrusher European Tour 2017 mit Gutalax und Spasm

 

Der Abend des 30.04.2017 stand vollends im Zeichen des Grindcore im Café Central in Weinheim. Für Außenstehende ist dieses Spektakel gewiss äußerst befremdlich. Erst ist das Instrumental ungeheuer schnell und wirr, dann quiekt und schreit der Sänger unverständliches ins Mikro und zu guter Letzt hört er, womit sich die Band da wohl thematisch beschäftigt. Doch das ist alles noch nichts, wenn man sich die Fans dieser Musikrichtung einmal ansieht. Da rennen junge Menschen mit Pferdemasken, Schwimmringen, Klobürsten, Schlauchbooten oder in rosa Balettkleidchen wild in einem Kreis und tanzen den Pogo. Der Reiz dieser Richtung dürfte ein Ähnlicher sein, wie der einer Bad Taste Party: Mal so richtig die Sau rauslassen ohne Sinn, ohne Kleider- und Ordnungsnorm. Es geht hier in der Tat um die Party. Man möchte Spaß haben, nicht über irgendwas nachdenken, sondern einfach entspannt in seiner Albernheit aufgehen. Willkommen bei der Gorecrusher European Tour 2017!

Das Line-Up bzw die Running Order des Abends sah aus wie folgt:

 

Running Order

 

18.00h Doors

18.20 – 18.50h UxLxCxMx (30 Min.)

19.10 – 19.40h Pestilent Reign (30 Min.)

20.00 – 20.35h Squirtophobic (35 Min.)

20.55 – 21.30h Guineapig (35 Min.)

21.50 – 22.25h Mucupurulent (35 Min.)

22.45 – 23.25h Spasm (40 Min.)

23.45 – 00.30h Gutalax (45 Min.)

 

 

Zu meiner Schande darf ich gestehen, dass ich auch an diesem Abend zu spät dran war, weil sich nur kurzfristig eine Mitfahrgelegenheit fand: An dieser Stelle nochmal vielen Dank, Sven, fürs Fahren und den Verzicht aufs das leckere Destillierte!

Jedoch ab den Herren von PESTILENT REIGN (Pestilent Reign – Official) war ich vor Ort. Die Stuttgarter fallen eher in den Bereich des Death Metal, was sich auch in deren Musik niederschlägt. Klarer strukturiert, der Gesang bestand überwiegend aus Shouts. Das ganze knüppelte ordentlich, leider war das Publikum noch sehr verhalten, wohl weil die Gruppe vielen Gästen bisher unbekannt war und der Abend noch jung.Die Jungs haben eine saubere, sympathische Leistung abgelegt, als Supportband für diesen Abend eine gute Wahl – weiter so!

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dritte Band an diesem Abend waren die vier Österreicher von SQUIRTOPHOBIC ( Squirtophobic – Official). Sie war fester Bestandteil der Gorecrusher European Tour. Ihr Genre legt die Band auf dem Facebook-Profil als Goregrind fest, jedoch spricht das Albumcover der aktuellen Scheibe „Cuntry Loads“ eine andere Sprache, auf dem ein Eber gerade recht blutig eine junge blonde Frau begattet – Porngrind lässt grüßen!  Auffallend bei dieser Gruppierung ist das stark gepitchte Gesangswerk, bei dem man den Regler weit nach unten gedreht zu haben scheint, um tiefere  Tiefen zu erreichen.Anders als beim Vorgänger an diesem Abend, variierte der Sänger stark in seiner Vocalvielfalt, die im Grind oft nur schwer zu benennen ist, da viele guturale Geräusche eingefügt werden,die im Grunde keiner eindeutigen Gesangstechnik entsprechen. Kombiniert wurden dies mit den gelegentlichen Pigsqueals des Gitarristen. Die halbe Stunde verging leider wie im Flug, denn diese Gruppe live zu erleben ist ein Genuss. Das Publikum bekam nun, wozu es gekommen war: Abgefahrenen Grind. Und nach etwas mehr als der Hälfte der Auftrittszeit kam dann auch der gleichnamige Titelsong zu oben genanntem Album – Cuntry Loads! Eine grindige Abwandlung bzw Neuinterpretation des Liedes „Country Roads“. Die Stimmung war prächtig, am liebsten wollte das Publikum die sympathischen Jungs gar nicht von der Bühne lassen.

 

Setlist – Squirtophobic

 

Intro

Tukka Tukka

Retards cant cook Spaghetti

Budapester Bumsorchester

Granny Gangbang

Horse Cheese Liver Cheese

Cuntry Loads

Brutal Nudl

SQ Army

Teenage Mutant Hiroshima

Turbo Midget Wrestling

Woody Futpecker

Zugabe: Donkey Punch

 

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GUINEAPIG (Guineapig – Official) besteht aus drei Italienern, ihre Heimatstadt ist Rom und auch sie gehörten zum festen Bandkern der Tour. Begrüßt wurden sie auf der Bühne standesgemäß, indem das Publikum die Mutter aller italienischen Gesten vollzog. Handfläche hoch, Daumen und die restlichen Finger werden zusammengeführt und dann wird mit dieser Hand wild gestikuliert. Diese Handbewegung wurde bis Ende des Konzertes vom Publikum beibehalten. So rannten die Fans gestikulierend durch den Circlepit, headbangten oder verstärkten damit ein jedes gegröhlte Wort – bevorzugt gracie, Spaghetti und Pizza. Guineapig sind eine Mischung aus geblökten Shouts und stark gepitchten Gutturals, soweit ich das identifizieren kann. Die Stimmung war grandios, wie auch schon bei der Vorband, genießt die Gruppe größere Bekanntheit, weshalb sich direkt vor der Bühne mehr Fans fanden, die sich zum Feiern einbrachten.

Als Schmankerl hatte die Gruppe auf dem Konzert eine junge Frau mit auf die Bühne geholt, die dem Publikum ein ganzes Lied lang den Bootyshake präsentierte.

 

Setlist – Guineapig

 

Defoliation Bacilli Bomb

Caterpillar

Maruta

Coccobacilli Shotgun

Project Sunshine

Pathogen Stimulator

Plasmodium

Epidemic

Spine-covered Larva

Spastic Genoma Spread

Terminator Mosquito

Rise Blast Fungus

 

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MUCUPURULENT (Mucupurulent – Official)     betrat nach kurzer Umbauphase die Bühne, ebenso wie die Vorgänger ein Drei-Mann-Gespann, jedoch ansässig im schönen Baden-Württemberg. Innerhalb der Grindcore -Szene auch kein unbeschriebenes Blatt, sind sie doch schon seit 1995 immer wieder in Erscheinung getreten. Aktuell haben sie auch ihr neues Album veröffentlicht, welches auf den Namen „Drenched In Blood“ hört. Die Show der Dreien gestaltete sich optisch ruhiger, der bärtige Sänger Timo sang und spielte Gitarre, bewegte sich sonst eher weniger. Der Bassist hingegen headbangte zum Teil noch so ambitionert, als hätte er seine langen Haare noch, die dieses Jahr jedoch einer Glatze gewichen sind. Der Drummer im Hintergrund legte sich ebenfalls ordentlich ins Zeug. Und trotz der verhältnismäßig ruhigen Show war die Stimmung hervorragend und was sie musikalisch dem Publikum entgegenwarfen hatte es in sich! Bis zu diesem Abend waren Mucupurulent für mich nur der Name einer Band – nun verbinde ich damit ein äußert sympathisches und musikalisch brachiales Dreiergespann, welches ich mir gerne jederzeit wieder live anhören werde.

 

Setlist – Mucupurulent

 

Lacerated Tits

Fistfucked Barby

Oral Sex Masturbation

Hell is here

Corroded Testicles

Agatha

Low Brain Blow Bunny

Zombie Squad

Hatred

Suborbital Ejacul

Drenched in Blood

Cumshot Messiah

 

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SPASM (Spasm – Official)  war die vorletzte Band des Abends. DIe Tschechen sind seit 2000 aktiv, der Sänger beherrscht Vocals, die dem Schnarren von Enten ähneln und trägt auf der Bühne in aller Regel einen Borat-Badeanzug. Noch Fragen? Als einer der Headliner des Abends wurde es vor der Bühne nun eng, jeder hier kennt Spasm! Gesanglich bedient sich der Sänger der Gruppe überwiegend grobem Brüllen, jedoch kommen auch besagte Entenvocals zum Einsatz, oder Pigsqueals. Das Publikum war warm und so ergaben sich noch mehr Aktionen vor der Bühne, Stage Diver, Circlepits, Headbanger. Spasm wirkt technisch solide, jedoch nicht so abwechslungsreich wie beispielsweiße Squirtophobic oder die folgenden tschechischen Kollegen von Gutalax. Das Publikum kriegen sie aber trotzdem und wenn es die gebrüllten Titel der Lieder sind, die die Fans am Ball hält. So kam gegen Ende schließlich das Lied „Gib mir deinen Schwanz“ oder kurz davor „Suck my dick“, ein Titel, den das Publikum, Männlein, wie Weiblein laut migröhlte.

 

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Setlist – Spasm

 

Intro

Juice Foreplay

Wtf

Lick my fingers

Ladyboy Party

Tranny Pop

Ozolagnia

Sound of libido

Beautiful human toilet

Suck my dick

I run a bitch

We wanna destroy

Gib mir deinen Schwanz

Cheiromania/Masturbation

Zugaben: Miss Piss, Peadophilic kinder party

 


 

Und nun zu guter Letzt kam der tschechische Headliner GUTALAX (Gutalax – Official) 

Menschen, die Probleme mit zu festem Stuhl haben dürfte dieser Name nicht fremd sein. Guttalax ist auch der Name für ein relativ bekanntes Abführmittel. Martin, der Sänger der Band, findet klare Worte, auf die Frage, wie er seine Band beschreiben würde: „Shit!“. Nicht mehr und nicht weniger gibt es hierzu zu sagen und dank Liedtiteln wie „Shit Demon“, „Shit em all“ und „Toi Toi Story“ finden sich auch herzlich wenig Menschen, die da widersprechen würden.

GUTALAX nimmt bei einem Konzert öfter Fäkalien in den Mund, als ich in drei Wochen bei meiner Tätigkeit als Altenpfleger zu Gesicht bekomme. Es wundert sich also niemand mehr über Zuschauer, die mit Klobürsten den Circlepit feiern, oder Klobrillen um den Hals tragen. Würde man mich fragen, so ist dieser tschechische Haufen noch mehr. Gutalax macht wahnsinnig Stimmung, nehmen sich selbst überhaupt nicht ernst, ballern einem die dicksten Dinger entgegen und trotzdem kommt man ausm Grinsen nicht heraus. Im Grunde ein bisschen wie musikalische Comedy. Das beginnt schon damit, dass man angespannt auf Beginn des Konzerts wartet, aufgeheizt von der Vorband und plötzlich kommt der Ghostbusters-Song als Intro und die Angespantheit ist mit einem Schlag weggefegt. Das Publikum gröhlt Ghostbusters, während die Gruppe in weißen Malerkitteln die Bühne betritt. Nach ca einer viertel Stunde folgte auch schon die nächste Jingle –  das Chorstück aus den alten Bud Spencer und Terence Hill-Filmen, in dem sich Bud Spencer von den Bässen bis zu den Sopranen vorarbeitet und zum Leidwesen des Dirigenten auch noch chronisch seinen Einsatz vergeigt. Das kleine Cafe Central war bis zum Rand gefüllt mit den „Lalala“-Gesängen der Metalheadmeute. Am Ende des Konzertes verließ ein guter Teil der Band umgehend die Bühne, um duschen zu gehen, weshalb ich hier zu keinem Gruppenbild kam. Allerdings hab ich den Jungs das Versprechen abnehmen können, das nächste Mal ein Bild zu bekommen. 😉

 

Danke an dieser Stelle nochmal an Sven fürs Heimfahren nachm Konzert!

 

Grüßle!

 

Borgongar

 


Hörproben

 

UxLxCxMx

„Spice Up Your Life“

PESTILENT REIGN

„The Zealot“.

 

SQUIRTOPHOBIC

Offizieller Mitschnitt vom Obscene Extreme Festival 2015 (OEF)

GUINEAPIG

Offizieller Mitschnitt vom Obscene Extreme Festival 2015 (OEF)

 

MUCUPURULENT

Offizieller Mitschnitt vom Obscene Extreme Festival 2013 (OEF)

 

SPASM

Offizieller Mitschnitt vom Obscene Extreme Festival 2009 (OEF)

 

GUTALAX

Offizieller Mitschnitt vom Obscene Extreme Festival 2014 (OEF)

 


Bilderecke

 

Pestilent Reign

 

Squirtophobic

 

Guineapig

 

 

Mucupurulent

 

Spasm

 

 

Gutalax

 

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