Die FaRK

Endzeit

Kein Hightech, kein Luxus, keine Aussichten auf ein entspanntes Leben. Eine Welt, auf der einen Seite völlig zerstört, auf der anderen Seite voll von Menschen, die dich für deine Schuhe töten würden. Die einzigen Menschen denen man vertrauen kann, sind die paar Söldner oder Crewmitglieder, die man so lange sicher um sich scharen kann, wie ein gemeinsamer Wille und ein gemeinsamer Feind besteht.

Man lebt von Tag zu Tag und versucht das Beste daraus zu machen. Die Crawler in der Nacht von sich zu halten und am Tag nicht von Outlaws überrumpelt zu werden macht das Leben interessant, aber oft sehr kurz…

Auf der FaRK in Schiffweiler bietet sich ein interessantes Bild: Während sich im Cage die Kontrahenten auf’s Schärfste bekämpfen, bis am Ende nur einer stehen bleibt – frei nach dem guten Motto „Zwei gehen rein, einer kommt raus“ – feiern verschiedene Crews Zelt an Zelt friedlich miteinander.

Die Cage-Fights auf dem Höhepunkt
Die Cage-Fights auf dem Höhepunkt

Bei den nebeneinander geparkten Autos findet sich ein über 30 jähriger Rover – das Maskottchen der Rovercrew; ein völlig ausgeschlachteter Pickup mit Ersatztank und zwei Luft­boden­raketen­kontainern; ein Madzda Mx5 mit Geweih auf der Front im Besitz eines Crawlers und ein á la Mad Max verstärkter Mannschaftstransporter.

Der über 30 Jährige Rover der Rover-Crew
Der über 30 Jährige Rover der Rover-Crew

Neben den vielen Attraktionen wie die Möglichkeit ein süßes kleines Zombiemädchen in ihrem Horrorspielzimmer zu betrachten, sowie einen Steampunk-Sänger, der im 20er Jahre-Stil Deathmetal-Songs mit Schel­lack­plat­ten­un­ter­stüt­zung singt, finden sich viele Möglichkeiten modifizierte Nerf-Guns zu kaufen, deren außergewöhnliches Design dem einen oder anderen die Sprache verschlägt. Auch der Mittelaltermarkt und die großflächige Steampunk-Halle bieten dem Rollenspieler und Szenengänger eine beträchtliche Auswahl an Produkten zum Sammeln oder den eigenen Charakter zu erweitern.

Zudem wird die ein oder andere Show angeboten, so konnte man sich von einem Klingonisch-Lehrer die schwere Sprache der Klingonen beibringen lassen, diversen Vorträgen lauschen oder sich von den Autos der Endzeitlers einmal um den Platz fahren zu lassen.

Auch an der Show des Zombiemädchens Mia kann man sich erfreuen, die in dieser erst zwei unbeteiligte Zuschauer unter kindlichem Lachen in ihr Spielzimmer lockt, um diesen ihren höchst eigenen Tee anzubieten, von welchem der freundliche Jäger mit seinem Nerf-Blaster allerdings mehrfach abrät – ohne Erfolg.

Die kleine Mia Ein Zombie zum verlieben
Die kleine Mia
Ein Zombie zum verlieben

Als dieser schließlich von der kleinen Gebissen wird, wird es interessant – er sucht einen Freiwilligen und die Wahl fällt auf mich. Zunächst drückt er mir seine Waffe in die Hand, die auf Schrotflinten Manier geladen wird, und instruiert mich anschließend, dass ich sie mit einem Bauchschuss zu erledigen habe, keinesfalls jedoch solle ich ihr in den Kopf schießen. So gruselig Mia auch ist, sie sieht trotz des blutverschmierten Kinns zu süß aus, sodass ich mich zunächst vor der Ausführung drücke. Anschließend fällt dem Jäger auf, dass ich noch die Patrone suchen müsse, welche sich unglücklicherweise im Spielzimmer des Zombies befindet. Widerwillig und in langsamen Bewegungen begebe ich mich auf die höchst eigentümlichen Spielsachen zu, die aus blutverschmierten Brummkreiseln und zerstückelten Puppen bestehen und suche, immer einen Blick auf Mia, die derzeit von dem Jäger abgelenkt wird, nach dem Nerf-Pfeil. Als ich ihn schließlich finde, versuche ich sie auf anraten des Jägers zu ihrem Zimmer zu locken, sodass sich „der Zombie nicht den Kopf aufschlagen“ kann und schleiche um sie herum, als sie sich an ihrer Spieldecke befindet. Da, wie mir erklärt wird, der Zombie aber nichts oder kaum etwas sieht und auf Geräusche hört, bringe ich sie mit einem zarten Pfeifen dazu sich mir zuzuwenden und schieße schweren Herzens auf ihren Bauch. Die Kleine bricht wie ein Kartenhaus auf dem Spielzeughaufen zusammen und bleibt regungslos liegen.

Überrascht, insbesondere vom Widerspruch zu meiner Erfahrung, dass ich sie normalerweise nur durch einen Kopfschuss töten könnte, schleiche ich hockend auf sie zu und berühre sie mit zitternder Hand an der Schulter und festem Griff um den Blaster, den ich trotz Mangel an Munition auf sie richte. Der Zombie bewegt sich nicht mehr.

Nachdem die Situation vom Jäger entspannt wird und er mir die Waffe wieder abnimmt, bittet er mich, den nun wieder aufstehenden Zombie weg zu locken, damit die beiden Tee trinkenden noch entkommen könnten. So locke ich den Zombie mit dem Pfeifen einer Melodie auf mich und gehe eine Runde über den gesamten oberen Bereich rückwärts, während andere hinter mir schauen, dass ich nicht gegen irgendwelche Stützpfeiler laufe. Mia verfolgt mich mit ihrem unvergleichlich schaurigen Kinderkichern und -Lachen, schlurfenden Schrittes und mit irrem Grinsen. Der Jäger gibt den Vorauslaufenden und mir Anweisungen, die mich einerseits darauf hinweisen, man möge mich doch von den Pfeilern weg lotsen, als auch durch Aufklärungen wie „Stecken Sie die Hand nicht in den Zombie“, sichern sollen.

Als wir letztendlich nach gefühlten 6 000 Bildern durch die Zuschauer und ca. 200 Metern wieder an ihrem Zimmer sind, gebe ich ihr eine Puppe und schleiche mich um den Zombie und die Menge applaudiert ob des Schauspiels. Abschließend wird noch ein Gruppenbild gemacht, Mia zwischen den Beiden Kerlen, die Schrankgroß sind und ihrer Unsicherheit bezüglich des Zombies mir gegenüber kund tun, worauf mein Satz „Tja, ich bin ja ausser Reichweite“ von Mia sofort zu nichte gemacht wird, indem sie mich mit ihrem kalten blutverschmierten Fingern an den Armen packt und zwischen die beiden stellt, anschließend lehnt sie sich an mich und ich lege meine Hände auf ihre Schultern, jederzeit bereit mich aus dem Staub zu machen. Das Blitzlichtgewitter bricht los – eine gelungene Show.

Doch der Abend ist nicht zu Ende, denn kaum komme ich zurück zum Lager der Endzeitler, da wird auch schon mächtig gefeiert und die Cagefights toben.

Ob Ringen oder Schlagen, die Fights waren genial dargestellt
Ob Ringen oder Schlagen, die Fights waren genial dargestellt

Zwischendrin wird immer wieder der Grund der Veranstaltung erwähnt – eine Spende an das Kinderklinikum – und die Scheine und Münzen regnen bei den Fights vom Himmel – also der oberen Etage.
Nach einer Weile kommt auch bei unserem Fotografen der Wunsch daran Teil zu haben auf und so nehme ich Chobmops Kamera und schaue zu, wie dieser vorsichtig den Cage betritt. Lustigerweise haben es auch drei andere Kanidaten sehr eilig gehabt in den Ring zu kommen und so stehen auf einmal 4 Personen bereit, die der Moderator spontan zu einem 4-Kampf verdonnert. So kämpfen auf einmal Son-Goku als Supersaiyajin, Chobmop und zwei gestählte Muskelpakete gegeneinander.

Währendessen werden Rohre und Schraubenschlüssel aus Schaumstoff in den Ring geworfen und auch eingesetzt und nach kurzer Zeit ist der Kampf vorbei, die Menge tobt und jubelt, doch danach, bereits der bestimmt 40ste Kampf, wird auf Bitten des Veranstalters das Einleuten weiterer Kämpfe abgesagt und man geht zum normalen Feiern über. Besondere Vorsicht beim Kostümieren ist übrigens im Zusammenhang mit Latexmilch geboten, wie ein Crawler schmerzhaft festellen darf, der beim „Ausziehen“ des auf der Haut aufgetragenen und getrockneten Kostüms sich sowohl aus diesem und teilweise auch aus seiner eigenen Haut schält, wobei er von allen Fraktionen des Endzeitlagers durch gutes Zureden und bereitstellen von alkoholischen Getränken unterstützt wird.

Chobmop gibt dem Gegner den Rest
Chobmop gibt dem Gegner den Rest

Die Endzeitler erfreuen sich übrigens vielerlei Zuwachs, so feiern mit uns auch drei Feen und ein paar andere anderer Genres, wie Songoku, die unter anderem durch die Fahrt mit den starken Maschinen der Endzeitler überzeugt wurden.

Ich selbst komme etwas später auf die törichte Idee, nach dem Konsum einiger Wodka-Cola und Wodka-Wodka, Chobmop zu einem Kampf im Cage herauszufordern, was auch die Menge erfreut, aber leider mit dem technischen KO durch Asthma endet, sowie einem halben Sandkasten in Haar und Ohren…

Nach ein paar Sprühstößen aus meinem Asthmaspray geht das freudige Feiern unverzügt weiter und später finden sich die beiden Feen und Chris, die ein familiäres Verhältnis genießen in dessen Zelt wider, wo wir uns angeregt unterhalten und schließlich alle nebeneinander zu viert, in einem 2-Mann-Zelt-Abschnitt, schlafen.

Am nächsten Tag sehen wir uns den Mittelaltermarkt, die Steampunkhalle und das Hauptgebäude an, sowie die ausgestellten Waffen, machen bei einem Gewinnspiel zum Nerf-Waffen gewinnen mit, wobei man die Ausgangswaffe gesehen, die vermutlich fertige Waffe zeichnen soll; und bei einem, bei welchem man durch Lose ein Ticket für die F.A.T.E. gewinnen kann und verköstigen uns auch bei den Essens-Ständen, die ihren besonderen Themen alle Ehre machen.

Eine Reporterin die sich von uns Fangen lassen wollte, vorne Gizmo mit dem Monsterhunter
Eine Reporterin die sich von uns Fangen lassen wollte, vorne Gizmo mit dem Monsterhunter

Abschließend helfen alle zusammen beim Abbau der Zelte und Anlagen und gehen schließlich wieder ihren eigenen Weg, mit einem tief entspannten Gefühl im Herzen und einer Sehnsucht nach der nächsten FaRK und dem nächsten Treffen. Zusammengefasst: Die FaRK ist eine wundervolle Möglichkeit sich mit neuen Menschen anzufreunden, Gleichgesinnte zu treffen, Sammlerstücke und Charaktergegenstände zu erwerben und einfach mal richtig die Seele baumeln zu lassen. Ich kann die FaRK nur jedem empfehlen und hoffe, dass die unglaubliche Summe von 22 070 Euro an Spenden (47 000 Euro gesamt) nächstes Jahr ein weiteres Mal übertroffen wird!

EDIT: Und einen guten Loot habe ich auch gemacht: Zwar habe ich bei den Wettbewerben nichts gewonnen, jedoch bin ich nun im Besitz von zwei neuen Feuerzeugen, 7 Pfeilen für die Guns und habe eine neue Freundin, meinen kleinen Edelstein Saphira – Pech im Spiel, aber viel Glück in der Liebe 😉

Adjaston

P.S.: Vielen Herzlichen Dank an Mara und Gizmo, für die Einladung und Aufforderung zur FaRK zu kommen!!!

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