Gorgoroth in Mannheim

Am 13. November 2017 ging es für mich los auf eine ungewisse Reise. Ein Fotografenkollege holte mich in Karlsruhe ab und schon fuhren wir los nach Mannheim in MS Connexion Complex. Es stand das Konzert der Black Metal-Größe „Gorgoroth“ an. Soweit so gut, jedoch wer mich kennt weiß, dass ich kein Black Metal höre. Ich kenne die Band im Grunde nur namentlich, aber zum Üben und wenn schonmal ein namhafter Act auf der Bühne steht, wird man ja doch neugierig. Meine Befürchtung, dass der Laden gerammelt voll sein würde, bewahrheitete sich nicht. Immer wieder musste ich mich jedoch selbst daran erinnern, dass auch wenn ich ein paar Tage frei habe, der Rest der Welt an einem Montag und dem folgenden Dienstag wieder ans Werk muss.

Angekommen traf mich vorerst der Schlag: Ich sah Menschen lachen. Da musste ich mich doch nochmal umsehen, war ich hier richtig? War Black Metal nicht Krieg? In der Halle sah ich kein einziges Nietenarmband. Keine Corpsepaint. Wenn das so weiterginge, würde ich Hans Söllner bald unterstellen, dass er gar kein Marihuana konsumiere, sondern nur darüber sänge. Auch hier, in der Halle.  sah ich heitere Gesichter.

 

Die erste Vorband an dem Abend waren AMKEN (Amken auf Bandcamp), junge griechische Thrashmetaler. Sie waren bemüht und lebendig, der langhaarige Sänger erwies sich als sehr aktiv auf der Bühne. Aber musikalisch wollte mich das persönlich nicht so recht erreichen. Doch fand ich schön, dass eben dieser junge Grieche später bei den folgenden Bands in der Nähe des Merchstandes stand und diese feierte, obwohl er sie ja nun auf der Tour schon öfter gehört hatte. Das erinnerte mich etwas an mein musikalisches zu Hause. Auf dem Deathfeast Open Air durfte ich feststellen, dass sich  das halbe Publikum  aus den Menschen zusammensetzte, die an einem der drei Tagen in einer der anwesenden Bands spielte. Also für Fans des Thrashmetal waren die Jungs gewiss ein toller Act, mich berührten sie musikalisch nicht.

 

 

 

 

Der zweite Act war GEHENNA(Gehenna auf Bandcamp). Eine norwegische Blackmetal Band.

Hey, Steffen! Norwegischer Blackmetal. Das ist doch die musikalische Reinnatur des Blackmetal! Da schwärmen doch immer die Fans von. „Echter Black Metal kommt aus Norwegen!“ klingelt mir da im Ohr und „Norwegian frostbitten Black Metal“ als Genrebezeichnung. Wobei ich da nicht sicher bin, ob das lediglich als Spruch gesagt, oder tatsächlich existent war. Gehenna sagte mir musikalisch und gesanglich schon etwas mehr zu. Da spürte man den Deathmetal-Einschlag. Jedoch eines fehlte mir auf der Bühne. Bewegung. Ich habe Luciano Pavarotti nie live sehen dürfen und doch könnte ich wetten, dass er sich on stage mehr bewegt hat, als die Herren von Gehenna. Und ich leg noch einen drauf: Als alle Bandmitglieder ZUSAMMEN! Und leider fehlte mir auch der Charismaanteil der Band. Möglicherweiße sind das aber die Blackmetaleinflüsse. Insgesamt klang das Konzert gut, hat auch mir gefallen, der optische Part fiel da leider flach.

 

 

Als letzte Vorband hätte eigentlich Sekhmet spielen sollen. Ich verliere über sie nicht viele Worte, soweit ich das mitbekommen habe, kamen diese nämlich einfach nicht und haben damit keine weitere Beachtung verdient.

 

 

Und somit wenden wir uns dem norwegischen Hauptact des Abends zu – GORGOROTH! (Gorgoroth – official) Dem Grund weshalb ich meinen Hintern vom warmen Sofa bewegt und nach Mannheim gegondelt bin. In Gorgoroth vereinte sich nun das, was ich an Gehenna und Amken mochte. Es war Bewegung im Spiel, der Sänger stapfte über die Bühne wie ein Berserker und bot den „Show“-Effekt und die Stimme hatte für mein Verständnis eben auch einen starken Deathmetal-Einschlag. Der Auftritt fetzte. Und hatte ich bis zum jetzigen Moment noch kein einziges Corpsepaint oder Klischee-Blackmetal-Wesen gesehen, standen mit Gorgoroth das absolute Klischee vor mir. Gesichtsbemalung, Ketten und zu guter letzt natürlich die Nietenarmbänder. Beim Sänger waren diese „etwas“ ausgeprägter. So hätte dieser sich wohl mit den Nägeln selbst durchbohren können. Eisregen sang über solche Teile auch Mal und benannte sie als „[…] jeder von ihnen ein 30cm langer rostfreier Totenpfahl! […]“

Gorgoroth zerlegte hierbei mehrere Mikrofonständer, mit denen er offenbar ausgiebiger spielen wollte als es das Material zulies. Irgendwann glaubte man durch die Kontaktlinsen hindurch den blanken Hass zu sehen. Aber hey! Was gibts besseres für den Black Metal,als den Menschen auf der Bühne auch einen Grundzu geben sich ärgern. Und ich tippe auf pure Kollegialität, jedenfalls schaute die ganze Band drein, als bestünde ihr Leben aus defekten Mikrofonständern. Alle? Nein, ein kleines…ihr kennt das Asterix und Obelixzitat ja.  Der Bassist bildete da eine Ausnahme, dieser lächelte chronisch etwas verhalten, ein witziger Anblick im direkten Vergleich zu seinem Nachbarn, der nicht ein Mal aus seiner Rolle fiel.

Ich muss nun aber doch noch etwas dazu sagen, weil man sonst meinen könnte, dass ich das ganze nur ins Lächerliche ziehen möchte: Nein. Der Act war klasse, ich fühlte mich fast etwas zu Hause, da eben genau das auf der Bühne geschah, was ich aus meinem Genre kenne. Aktivität auf der Bühne und eine aggressive Grundstimmung. Ob ich nun dabei Nietenarmbänder oder Shorts mit verwesten Leichen drauf trage ist im Grunde egal. Gorgoroth würde ich mir jederzeit wieder ansehen.

 

Grüßle und bis dahin

 

Borgongar

 


 

Hörproben

 

AMKEN

Das Musikvideo zum Song „Shattered Sanity“

 

 

 

GEHENNA

Das aktuelle Album „Unravel“

 

 

 

GORGOROTH

Das aktuelle Album „Instinctus Bestialis“

 

 


 

Bilderecke

 

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