Mit der beeindruckenden Zahl von 215.000 Besuchern meldet sich das österreichische Nova Rock Festival im Juni mit seiner 2026er Ausgabe zurück. Wir von Zwischen-Welten dürfen zum zweiten Mal live dabei sein, wenn über 70 Bands innerhalb von vier Tagen die drei Bühnen auf den Pannonia Fields II im schönen Burgenland zum Beben bringen. Was wir dabei alles erleben, welche Bands wir uns genauer anschauen und reviewen und welche Eindrücke wir mit nach Hause nehmen, haben wir in diesem (gar nicht so kleinen) Beitrag für euch zusammengefasst!
Vergesst vor oder nach dem Schmökern nicht, einen Blick auf die Galerien zu werfen, die wir für euch von einigen Bands des Festivals Tag für Tag erstellt haben:
Galerie Nova Rock 2026 – Donnerstag
Galerie Nova Rock 2026 – Freitag
Galerie Nova Rock 2026 – Samstag
Galerie Nova Rock 2026 – Sonntag
Inhaltsverzeichnis
- Ein kleines Vorwort zur Reise und Unterkunft
- Donnerstag – Das Nova Rock Festival öffnet seine Pforten
- Freitag – Die Wettergötter im Festivalfeeling
- Samstag – Mit Kriegsbemalung in den Fotograben
- Sonntag – Wehmütiger Abschied am besten Festivaltag ever
- Zukunftsausblick und Danksagung

Ein kleines Vorwort zur Reise und Unterkunft
Ja, wir wissen, dass ihr schnell in das Festivalgeschehen einsteigen wollt, darum fassen wir uns kurz: Wir haben für die Teilnahme am Nova Rock 2026 etwa 740 km zurückgelegt. Währenddessen haben wir uns gut unterhalten, einige Freunde, die auf dem Weg wohnen getroffen und viel schöne Landschaft gesehen. Der schönste Moment bei der Ankunft ist allerdings die Aussicht auf den Ferienort, an dem wir unser Domizil für fünf Tage beziehen. Ein Sandstrand, weitläufige Parkanlagen, ein malerischer Leuchtturm und kulinarische Höhepunkte in Podersdorf am Neusiedler See. Der Anblick hat uns so gebannt, dass wir uns sogar des Öfteren trotz ausgelaugten Festivalbeinen für einen kleinen Morgenspaziergang am Seeufer entscheiden. Ein großes Dankeschön geht übrigens auch an das Gästehaus Elisabeth Weinhandl, welches nicht nur sehr gastfreundlich war, sondern auch mit einer perfekten Lage direkt am Seebad und geräumigen, top gepflegten Zimmern ein absoluter Tipp für den nächsten Familienurlaub ist. Nun kann es losgehen, oder?
Donnerstag – Das Nova Rock Festival öffnet seine Pforten
Das Wetter ist heiter, es weht ein guter Wind, welcher aber für die Windkraftanlagen an den Pannonia Fields II sicherlich fördernd ist. Der Boden ist halbwegs trocken mit einigen schlammigen Abschnitten – ein Resultat des nächtlichen, etwas stärkerem Regenschauers. Die Festivalbesucher haben aber Glück! Zwar gab es in der Nacht sicher das ein oder andere nasse Zelt, aber der Regenschauer sollte laut Wetterbericht während des ersten Festivaltags stattfinden. Stattdessen scheint die Sonne, die ab und an durch Wolken verdeckt wird bei angenehmen 22 – 24 Grad Celsius – perfektes Festivalwetter.
Vom ersten Eindruck her bestaunt man das gigantisch große Infield mit seinen drei Bühnen, der großen Blue Stage, der etwas kleineren Red Stage und der „kleinen” Bühne, die eigentlich gar nicht so klein ist: Der Red Bull Stage. Ummantelt wird das Infield von zahlreichen Ess- und Trinkmöglichkeiten, einer Shopping-Meile und einem kleinen Freizeitpark mit Riesenrad, Bungee-Jumping, Disco und weiteren Fahrgeschäften. Die Haupttransferroute wird „Highway to hell” genannt und sorgt für eine geräumige Verbindung, über die Festivalbesucher zwischen den beiden Hauptbühnen und der Red Bull Stage schnell von A nach B kommen.
Schon früh am Tag fallen uns die interessanten Outfits der Besucher auf: Eine Gruppe in Mario-Kart Outfits, Jumpsuits, Meerjungfraumann & Blaubarschbube aus Spongebob, Jesus und jede Menge lustige Hüte, über die unser ZW-Hutspezialist Ayanami sehr neidisch wäre. Bei Dämmerung fallen uns die Säulen am hinteren Bereich des Geländes auf, die schier unermüdlich Pyrofontänen in die Höhe schießen – ein sehr cooler Eyecatcher! Alles in allem verspricht der erste Eindruck bereits ein großartiges Festival. Nun, wenn wir schon beim Thema sind, es wird Zeit, sich langsam mit dem zu beschäftigen, um das es hauptsächlich gehen sollte: Musik!

Shmiffy
Den ersten Auftritt, den das Nova Rock Festival 2026 für uns bereithält, wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen: Shmiffy, eine Newcomerin aus Wien eröffnet die Red Stage donnerstags gegen 13:15 Uhr. Mit dabei hat sie entspannten Alt-Rock, der etwas an Sheryl Crowes 90er Werke erinnert und auf charmante Weise positive Vibes in die noch kleine, aber mit Dauer des Auftritts gut wachsende Menge abgibt.
Ein wenig merkt man, dass der jungen Dame noch die Bühnenerfahrung fehlt, aber mit absolut sympathischem Charisma überzeugt sie die anwesenden Festivalbesucher durch ihre Messages – zum Beispiel zum Lied „Mama’s #1“ – eine Hymne an alle Mütter, die ihre Kinder mit all ihren Macken und Fehlern akzeptieren. Nachdem es kürzlich im ZW-Radioprogramm lief, ist der liebevolle Song „House & A Dog” ein kleines Highlight des Auftritts – möglicherweise werden wir bald mehr von Shmiffy im Zwischen-Welten Programm hören, die ersten Hörermeinungen waren zumindest gut.
Beim letzten Song ist Shmiffys Gitarre ein wenig verstimmt – nachstimmen (mit einem kleinen „Sorry“) ist angesagt. Das Publikum zeigt mit tosendem Jubel aber schnell, dass keine Entschuldigung notwendig ist. Insgesamt war der Auftritt ein sanfter, charismatischer und vor allem sehr positiver Start in das Festival. Wir sind also gut vorbereitet, auf die härteren Töne, die am Donnerstag noch auf uns warten sollten.

Ego Kill Talent
Beim Opener auf der Blue Stage geht es im Vergleich mit Shmiffy zum Beispiel schon deutlich rauer zu. Die brasilianische Alternative Rock Formation Ego Kill Talent um Sängerin Emmily Barreto ist zwar auf dem Papier im selben Genre ansässig, hat aber eindeutig mehr Schmackes. Was wir besonders gut finden, sind die verwendeten Folk Instrumente wie z.B. Trommeln und Rasseln, welche allesamt live gespielt werden. Okay, ein klein wenig erinnert das Stilelement an die Nu Metal Band Ill Nino – was aber die Frage, ob es uns gefällt, definitiv mit „Ja!“ beantwortet lässt.
Was wir zusammenfassend sagen können: Die Musik hat südamerikanisches Feuer, kommt beim Publikum gut an und hat für das ein oder andere Moshpit gesorgt. Hierzulande ist die Band noch nicht großartig bekannt, hat aber das Potenzial auf mittelfristige Sicht Fuß zu fassen und Venues in Europa zu füllen. Wir zumindest sind uns sicher, die Band guten Gewissens mit ins Programm aufzunehmen und somit zumindest ein bisschen die Bekanntheit zu steigern.

Mittel Alta
Zugegeben, es ist etwas schwer, sich unbefangen auf Mittel Alta zu freuen. Im Zwischen-Welten-Universum hat die Band seit 2025 bereits eine Art Kultstatus inne und wird jedes Mal, wenn sie im Stream läuft, gebührend gefeiert. Es ist für uns daher kaum überraschend, dass die Party im Publikum direkt beim ersten Song „Auf Dem Dorffest” nahezu eskaliert.
Die Verwendung verschiedener Requisiten wie z.B. eine Fahne in Form einer überdimensionalen Krankmeldung (Song: „Gelber Schein”) oder ein abgetrennter Kopf (Song: „Der Chef Ist Tot”) heizen das Publikum dabei noch um ein Vielfaches an – ebenso wie die Comedy-like Dialoge, welche von den Bandmitgliedern, die sich etwas anstößig „Sir Schwanzelot” und „Gernhard Reinlunzen” nennen, zwischen den Songs geführt werden.
Kommen wir nun zu einem der Highlights des gesamten Donnerstags: Der Auftritt zum ZW-Lieblingssongs „Ficket Euch”, welches in der Live-Version nicht nur titelgebende Botschaft durch zehntausende Mittelfinger im Publikum klar und deutlich macht, sondern mit einem extended Rave/Elektro Outro auch noch schier besser überzeugt als auf der Studioversion. Hört man im Publikum quer, haben sich Mittel Alta bei ihrem ersten Festivalauftritt außerhalb Deutschlands eine Menge neuer Fans angelacht und somit mittelfristig einen Slot später am Tag schon fast gesichert.
Aurorawave
Festivals eignen sich immer hervorragend, um bisher nicht bekannte Bands zu entdecken. So ist es auch eher einem kleinen Zufall geschuldet, dass wir in der Schlange des Merchandise-Standes in den Genuss der Musik von Aurorawave auf der Red Bull Stage kommen dürfen.
Nachdem wir das lange Anstehen für unser Nova Rock 2026 Shirt mit schönen Impressionen des Pannonia Fields Windpark auf der Vorder- und Rückseite hinter uns gebracht haben, beschließen wir sogar noch ein bisschen zu verweilen. Aurorawave mischen Reggae mit Metal – wer nun aber an Skindred denkt: Falsch gedacht! Die Musik wirkt deutlich entspannter, hat weniger Partycharakter, aber dafür näher an der lockeren Atmosphäre des Genres orientiert.
Ein kleines Cover von Slipknots „Duality” lockert überdies auf, dass man bei keinem der anderen Lieder mitsingen kann. Wir sind uns aber sicher, dass sich dieser Fakt bis zum nächsten Mal ändern wird.

Black Veil Brides
Man kann offiziell sagen: Ein Auftritt von Black Veil Brides verwöhnt nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen. Sänger Andy Biersack ist bekannt für sein wirklich gutes Aussehen – was bereits im Moment, als er die Bühne betritt, so manches Mädchen- und auch Jungsherz zum Schmelzen bringt. In Kombination mit seinem Gesangstalent eine wahre Gottesgabe – dieser Fakt wird bereits beim Classic und Opener „Knives And Pens” vom 2010er Debütalbum der Amerikaner klar. Andy spielt überdies offensichtlich gerne mit der Fanfiction, dass er eine Art Vampir ist, der schlichtweg nicht altert und eher blass auftritt.
Das Set insgesamt besteht weitestgehend aus Liedern der 2026 frisch erschienen Platte „Vindicate” – neben dem Titeltrack werden die Singles „Certainty”, „Bleeders”, „Hallelujah” und „Revenger” gespielt. Diese fünf Songs machen am Ende die Hälfte der Setlist aus. Von Anfang an auffällig ist die herzliche Art, die Andy an das Publikum richtet und welche mit viel Jubel honoriert wird.
Den ein oder anderen Sympathiebonus sammelt er auch durch seine Interaktion mit einzelnen, optisch herausstechenden Fans – zum Beispiel das liebevoll ausgedrückte „I fucking love people in banana suits” an einen entsprechend kostümierten Besucher gerichtet. Den Abschluss des hervorragenden Sets macht der größte Hit „In The End”, welcher die ohnehin schon aufgeheizte Stimmung noch einmal zum Kochen bringt und das Publikum lauthals zum Mitsingen animiert.

Tom Morello
Man hat nicht jeden Tag die Gelegenheit, eine echte Legende live zu erleben. Tom Morello, einer der besten Gitarristen der Welt und Soundgeber der legendären Band Rage Against The Machine tritt auf der Red Stage auf, um allerlei Lieder aus seinem langen Werdegang zu performen. Mit dabei hat er nicht nur viel politische Energie, den verruchten Style der frühen 90er Jahre und sein unglaubliches Talent, die Saiten zu zupfen, schreddern und dominieren, sondern auch seinen erst 15 Jahre alten Sohn Roman. Und eben jener beweist sich vor Zehntausenden von Besuchern bereits ein großartiges Talent an der Gitarre – aber zugegeben: Wie kann man bei einer solchen Abstammung etwas anderes erwarten?
Insgesamt elf Songs und Medleys aus Soloalben, Rage Against The Machine Songs und Coverversionen spielt Morello mit seiner Band. Darunter finden sich Perlen wie „Killing In The Name”, „Bombtrack” und einen der derzeit meistgecoverten Songs in der Rock- und Metalszene: „Mr. Crowley”, im Original von Ozzy Osbourne. Eine Widmung, die nicht von ungefähr kommt, nachdem der Prince Of Darkness 2025 im Alter von 76 Jahren von uns gegangen ist.
Hervorzuheben ist, dass Tom Morello neben seinem legendären Gitarrenspiel auch am Mikrofon zu überzeugen weiß: Er rappt fleißig zu seinen Songs mit. Die Gesangsparts, die auf seinen Lieder in der Regel von Gastmusikern beigesteuert werden (z. B. „Let’s Get The Party Started”, bei dem BMTH-Frontmann Oli Sykes seine Stimme leiht) werden von einem Mitglied der Live-Band gesungen.

We Came As Romans
Ein kleiner Schock zuerst: We Came As Romans sind dezent deplatziert. Nicht musikalisch und auch nicht stimmungstechnisch – aber auf der Red Bull Stage. Wieso? Weil die Menge an Besuchern so enorm groß ist, dass es vielen Fans gar nicht möglich ist, den Auftritt in guter Soundqualität zu genießen. Glücklicherweise ist es uns aber gelungen, einen weitestgehend guten Platz zu ergattern.
Der Auftritt ist geprägt von Moshpits, guter Stimmung und anerkennendem Kopfwippen zu den catchenden, aber mit einer starken Prise Emotionalität durchzogenen Songs wie z. B. der Opener „Bad Luck” vom aktuellen Album oder das ikonische „Cold Like War”, welches noch mit dem 2018 verstorbenen Leadsänger Kyle Pavone aufgenommen wurde.
We Came As Romans haben absolut alles aus der kleinsten Nova Rock Bühne herausgeholt und wir finden, sie sollten beim nächsten Auftritt auf Österreichs größtem und bestem Festival unbedingt auf einer der beiden großen Bühnen stehen – das wäre nicht nur eine Ehrung an die US-Amerikaner, die trotz des Todes ihres Frontmanns nicht die Flinte ins Korn geworfen haben, sondern auch eine Wohltat für all die Seelen, die den emotionalen, von elektronischen Beats durchtriebenen Metalcore genießen und feiern möchten.
Bad Omens
Die Red Stage füllt sich schon weit vor der Spielzeit der – zugegeben sehr gehypten – Metalcore Band Bad Omens aus den USA sehr beachtlich. Um uns diesen Hype genauer anzuschauen, entscheiden wir uns auch dafür schon früh vor Ort zu sein. Aus der Ferne wird während des Wartens die Zeit durch den hervorragenden Klang von Trivium versüßt – unser Redakteur hört mit einem weinenden Auge zu, denn für Bad Omens war das Verpassen des Anblicks von Trivium eine harte Pille.
Da es langsam dämmert und das Wetter dann doch nicht so stabil ist, sieht man viele Besucher bereits in Jacken herumlaufen. Fun Fact: Natürlich hat unser Redakteur seine Jacke im Pressebereich vergessen – die Rettung kommt in Form von unserem Fotografen, der in einer Samariter-ähnlichen Wohltat die Jacke vorbeibringt, bevor die ersten Eiszapfen aus der kurzen Hose ragen.
Der Auftritt von Bad Omens beginnt abseits des kühlen Wetters mit einer Wucht, dass einem von ganz allein warm ums Herz wird. Mit Wucht meinen wir aber nicht hart, feurig oder ein brutales Moshpit. Ganz im Gegenteil: Ein Emotional eingesprochenes Videointro leitet den ersten Song ein, das aktuell sehr beliebte Lied „Specter” – seines Zeichens ein Song zwischen Ballade und Midtempo, welcher durch die wahnsinnig gefühlvolle Clearstimme von Sänger Noah Sebastian live hervorragend inszeniert wird.
Der Auftritt im Allgemeinen ist etwas für Liebhaber von theatralischen Aufführungen. Das Set ist in insgesamt fünf Akte unterteilt, welche bei jedem Wechsel mit einem Videoeinspieler mit gesprochenem Text eingeleitet werden. Die Musik ist vielfältig von Moshpit-treibenden Bangern wie „Glass Houses”, Feuer und Pyro bis hin zu ultragefühlvollen Titeln wie dem Druchbruchs-Hit „Just Pretend”. Den sehr feurigen Abschluss macht wohl das härteste Lied der Band: „Dethrone” vom 2019er Album “Finding God Before God Finds Me”. Das Lied ist nicht nur ein Closer der (modern gesagt) pure dope ist, sondern ein regelrechtes Gewitter aus Pyro, Feuer, brutalen Screams und absolutem Wall-Of-Death-Feeling – so, wie es für einen guten Metalcore Act einfach gehört. Wir gehen sogar soweit zu sagen, dass die Aufführungv von „Dethrone” ein richtiger Mittelfinger an jene ist, die behaupten, dass Bad Omens die Härte fehlt und lediglich eine vorübergehende Trendband ist.

Freitag – Die Wettergötter im Festivalfeeling
Die Überschrift hat dich überrascht? Das ist gut! Denn dann kannst du vielleicht ein klein wenig nachfühlen, welche Überraschungen das Wetter im Laufe des Freitags für uns bereithält. Zunächst einmal ist es sehr warm – also unbedingt die Sonnencreme auspacken und eincremen! Wir haben aus früheren Festivalbesuchen schließlich gelernt, dass die Sonne zwar schön, aber nicht immer freundlich zu unserer Haut ist. Der Freitag soll auch der erste Tag sein, an dem man die ersten roten Gesichter, Schultern und Rücken auf den Pannonia Fields sehen wird. Doch das Wetter nimmt sich ein Beispiel an der musikalischen Vielfalt des freitäglichen Programms und wechselt fleißig zu Bewölkung, Episoden mit starkem Wind und sogar einem kleinen Regenintermezzo an der (dramaturgisch gesehen) absolut perfekten Stelle dafür – dazu später mehr!
Ebenfalls heiß ist die Kulinarik außerhalb der Presse Area, welche wir am Freitag das erste Mal probieren. Es gibt lecker frittierte Shrimps mit Rosmarin-Wedges, welche in einer für den Preis (ca. 13,00 €) echt großen Portion kommen und mit einer leckeren Cocktailsauce abgeschmeckt werden – mjamm! Auch wagen wir uns vorsichtig und bedacht an das alkoholische Getränkeangebot… okay, ein bisschen schwach werden wir schon, denn die superleckeren „Spritzer”, die als Kombination von verschiedenen Red Bull Editions und Weißwein angeboten werden sind einfach köstlich! Sie werden uns die nächsten Tage in wohldosierter Menge weiterhin begleiten.
An Vielfalt lässt das Essensangebot, wie bei eigentlich jedem Festival, keine Wünsche offen. Egal ob vegetarisch, vegan oder fleischlastig – für jeden gibt es viel und gutes Essen zu festivaltypischen Preisen. An den anderen Tagen probieren wir neben den Shrimps auch Hot Dogs, Käsespätzle und etwas aus der asiatischen Küche.
Der Freitag ist auch der Tag, an dem sich unser Presseteam ein wenig mehr traut und sich für einige Bands in die erste Reihe mit einreiht. Auf diese Weise kann das grandiose Festivalfeeling direkt zwischen Crowdsurfern, Moshpit und Partyeskalation eingefangen werden. Ah, wenn wir schon beim Thema sind. Wollt ihr wissen, welche Bands wir uns angeschaut haben?
Just Mustard
Der zweite Festivaltag beginnt sogar noch ein bisschen entspannter als der erste. Just Mustard, eine Band aus Dundalk (Irland) verzaubert die Bühne mit magischem Experimental Rock, der durchaus viele progressive Züge annimmt. Fans der 2000er Horrorfilm-Ära mögen eine stilistische Annäherung an den typischen Sound der alten „Underworld”-Filme aus den wechselhaften und eher treibenden, atmosphärischen Songs der Iren heraushören.
Die gespielten Songs sind uns zwar namentlich nicht bekannt, aber durchaus in Erinnerung geblieben, einfach auch durch die Atmosphäre, die wunderbar zu einer langen Nachtfahrt auf der Autobahn passen würde. Der Auftritt hatte keinen Party-Charakter, brauchte diesen allerdings überhaupt nicht, um gut zu funktionieren. Ein sanftes Hin und her Wippen in Trance hat für die kleinere Menge vor der Blue Stage bereits vollkommen genügt, um der Musik den nötigen Respekt zu zollen.
Hervorzuheben ist die sanfte Singstimme der Sängerin, welche den eher schleppenden Sound der Musik hervorragend unterstreicht. Wir sind uns sicher, dass wir für Just Mustard in unserem Programm einen passenden Platz finden werden und sie somit auch in unser Musikrepertoire mit aufnehmen.

Magnolia Park
Sucht man im Internet danach, welche Musik Magnolia Park macht, findet man den Begriff Pop-Punk. Das persönliche Empfinden, nachdem die US-amerikanische Band auf die Bühne kommt, wirkt aber doch etwas… sagen wir härter. Die Musik ist sehr Nu-metallisch mit Breakdowns, wie man sie aus dem Metalcore kennt – also eine sehr moderne Kombination, die durchaus bei anderen Bands bereits mit großem Erfolg belohnt wird. Vielleicht mittelfristig auch für Magnolia Park?
Wie auch immer die Musik genau beschrieben wird und wie groß der Bekanntheitsgrad der US-Amerikaner bereits ist: Beim Publikum kommt sie jedenfalls an. Als zweite Band auf der Blue Stage heizen Magnolia Park der bereits gut gewachsenen Menge ordentlich ein. Die Stimmung ist ausgelassen, gut und mit beachtlichem Party-Potenzial. Besonders auffällig ist die große Anzahl an Crowdsurfern, die in dem nur 35-minütigen Set über die Menge gleiten.
Der Award für den coolsten Mitarbeiter und wohl verdientem Mitarbeiter des Monats geht an einen Eisverkäufer, welcher mitsamt Fahne und Eistasche als Crowdsurfer über das Publikum getragen wird. Steckt hinter diesem sympathischen Typen eventuell ein Marketing-Genie? Denn eine bessere Werbung geht fast gar nicht! Außerdem ist es ein guter Beweis, dass die Mitarbeiter auf dem Nova Rock viel Spaß haben.

Royal Republic
Warum einen Ohrwurm haben, wenn man gleich acht auf einmal bekommen kann? Royal Republic liefern genau das, wofür sie seit Jahren stehen: Sehr rhythmische, tanzbare Partymusik mit Gitarren und vor allem gute Laune von der ersten bis zur letzten Sekunde – ein Fakt, den man auch im Publikum bemerkt. Es wird nämlich ausgiebig gefeiert.
Den Anfang des Auftritts machen zwei Songs vom aktuellen Album „LoveCop”, welche live sogar mit Synth-Gitarre gespielt werden. Diese wird anschließend allerdings durch eine Richtige ausgetauscht, um Liedern wie „Full Steam Spacemachine” ihr bekanntes Klangbild mit dem einprägsamen Riff zu verleihen.
Die Schweden wissen übrigens nicht nur musikalisch von ihren Qualitäten zu überzeugen, sondern punkten mit viel Charisma und den humorvollen Interaktionen zwischen dem etwas exzentrisch auftretenden Sängers Adam Grahn und dem Publikum. Grahn erzählt zum Beispiel eine kleine Geschichte aus den Anfangszeiten der Band. Damals wollten sie eine richtige Heavy Metal Band werden, sind letztlich aber bei ihrem Sound irgendwo zwischen Garage Rock und Alternative Rock hängen geblieben. Der Beweis, dass Royal Republic aber auch eine gute Metalband geworden wäre, wird allerdings direkt geliefert – in Form eines scheppernden Covers des Metallica Songs „Battery”.

TX2
TX2 sind eine Pop-Punk Band, die ab und an auch gerne mal härtere Töne anschlägt. Was aber abseits der Musik als erstes auffällt, ist das androgyne Erscheinungsbild der Band, welche auch offen und bekennend für Queer-Rights wirbt und stilistisch an eine abgespeckte Variante des Visual Kei erinnert.
Sie vereinen also gute Musik mit einer guten Message, ein Grundpfeiler, auf dem Erfolg gedeihen kann. Bisher haben die Amerikaner aus Colorado nur ein Studioalbum und zahlreiche EPs in den letzten Jahren veröffentlicht – und dafür ist der Andrang bei der Red Bull Stage schon echt beachtlich. Was besonders hervorsticht, ist die Hingabe, die Sänger Evan für seine Performance gibt. So klettert er während des Auftritts an der Bühnenaufhängung entlang, misst dabei aber keinen einzigen Ton.
Ein kleines Highlight war das Intermezzo von Ice Nine Kills Sänger Spencer Charnas. TX2 und Ice Nine Kills haben sich 2024 für den Song „Mad” zusammengetan und diesen auf dem Nova Rock 2026 gemeinsam performt – praktisch, dass Ice Nine Kills später am Abend auch auftreten. Den Abschluss des Sets macht der wohl bisher bekannteste Song der Band „I Would Hate Me Too”, welcher mit seinem liebevollen Pop-Punk Stil für Gänsehaut sorgt.

Skindred
Wie viel Party möchte man an der Red Stage machen? Skindred: Ja! Schon das Intro, der Imperial March von Star Wars, sorgt für einen schier gewaltigen Jubel. Auch soll es nicht der einzige bekannte Einspieler werden – im Verlauf des Sets kommen u.a. „Jump” von Van Halen, „Last Resort” von Papa Roach und eine live gesungene Version von „If You‘re Happy And You Know It”.
Sänger Benji Webbe tritt mit einem, sagen wir sehr großen Hut auf die Bühne und nimmt diese augenblicklich komplett für sich ein und blödelt ausgelassen mit dem Publikum zwischen den Songs, allesamt Banger, herum. So manch einer mag vielleicht sagen: „Weniger blödeln, mehr Musik” – aber wir denken, dass genau die Art, in der Benji die Menge anheizt, die Einspieler und die Freestyle-Einlagen den Auftritt ideal abrunden.
Highlights des Auftritts sind neben den Songs vom neuen Album „You Got This” die Klassiker „Nobody” und „Trouble”, welches in einer Full-Reggae Version gespielt wird. Okay, wir dürfen an dieser Stelle nicht vergessen, dass der Publikumsfavorit „Kill The Power” mit extralangem Extended-Intro und Anheizen von Benji die größte Perle des Auftritts der britischen Nu-Metaller ist. Kurzfassung: Eskalation von der ersten bis zur letzten Sekunde, ein hervorragender Auftritt.

A Perfect Circle
Auf der Blue Stage geht es im Gegensatz zu Skindred eher komplex und ruhiger zu. A Perfect Circle bringen ihre Mischung aus Alternative Metal mit stark progressivem und vielleicht etwas psychadelischem Einschlag auf die Bühne. Sänger Maynard James Keenan, auch bekannt als Sänger und Mastermind der Bands Tool und Puscifer, verleiht jedem einzelnen Song mit seiner treibenden, einzigartigen Stimme eine sanfte Magie, der es aber dennoch nicht an Nachdruck fehlt.
Ein kleines Manko, aber die packende Atmosphäre des Auftritts nicht mindernd, ist die wenige Publikumsinteraktion – aber braucht eine progressive Musik, die eher entspannter angehaucht ist, viel Party vor der Bühne? Eigentlich nicht, es funktioniert schon sehr gut ohne.
Maynard ist dabei auch nicht die geborene „Rampensau” und hält sich als Frontmann der Amerikaner eher im Hintergrund der Bühne, statt diese vollkommen für sich einzunehmen. Das ist tatsächlich etwas, dass man in dieser Form gar nicht so oft sieht, da der Sänger in der Regel auch der Hauptpunkt auf der Bühne ist. Bei A Perfect Circle steht die Musik als gesamtes Bild im Vordergrund – und das zieht schon wirklich gut.
Besonders hervorzuheben sind die Songs „The Doomed”, das neueste Lied „Starless” und das wohl bekannteste Lied aus der sehr metalligen 2000er Jahre Horrorfilm-Era: „The Outsider”, welches unter anderem im Film „Resident Evil: Apocalypse” von 2004 verwendet wurde.
The Pretty Reckless
Etwas verrucht, sehr rockig und definitiv die mit Abstand kräftigste Frauenstimme auf dem 2026er Nova Rock: Taylor Momsen mit ihrer Band The Pretty Reckless bringt die Red Stage mit kräftigem Hard Rock zum Beben. Der nostalgische Touch der Musik ist dabei sowas von real! Nicht nur Songs wie „Going To Hell”, „Heaven Knows” oder „When I Wake Up” vom neusten Album „Dear God” sorgen für ordentlich Heat vor und auf der Bühne, sondern auch Taylor Momsen höchst selbst. Sie springt in den Graben, Interagiert mit Fans, posiert bewusst aufreizend und weiß es, die Menge für sich einzunehmen – sie lebt den puren Rock ‘N’ Roll. Wir sagen: Wow! What a blast!
Etwas schade ist, dass ab der Hälfte des Sets die Menge etwas schrumpft – aber nicht grundlos: Auf der Blue Stage werden schließlich bald The Offspring auftreten. Taylor Momsen bleibt dabei höchst professionell und weiß die verbleibende Menge bis zum letzten Moment von ihrer Stimmkraft zu überzeugen.
Ein besonderer Moment ist auch die Performance zum ersten Song, den The Pretty Reckless als Band jemals veröffentlicht haben: Der 2010er Hit „Make Me Wanna Die”. TPR sind für die Fans von kräftigen Frauenstimmen ein eindeutiges Must-have-seen. Bitte nehmt die Band mit auf eure Bucket List, denn die Energie und der Hype sind sowas von gerechtfertigt.

The Offspring
Es ist unschwer zu erkennen, wer der Publikumsliebling des Freitags ist. The Offspring versammeln eine beachtlich große Menge, vielleicht sogar die größte des ganzen Festivals vor der Blue Stage. Sie fallen auf durch die coole Show auf den zahlreichen Monitoren, den 3D-Hintergrund und allerlei Spielereien wie im Wind tanzende Luftfiguren.
Besonders, wenn die großen Hits wie „Why Don’t You Get A Job”, „Pretty Fly”, „You Gonna Go Far, Kid” und „Self Esteem” sorgen nicht nur direkt vor der Bühne für Eskalation, sondern bringen auch eine enorme Partystimmung in die Flanken links und rechts neben der Bühne sowie ganz hinten an den Essensbuden.
Alles in allem hat der Auftritt von The Offspring ein gewaltiges Partypotenzial und bringt allen Anwesenden viel Freude – zum Teil auch dank den komödiantisch hochwertigen Konversationen zwischen Sänger Dexter und Gitarrist Noodles, welcher gerne dazu neigt ein wenig zu übertreiben und dann mit dem Sänger Diskussionen zu starten. Auch hier mag – wie bei Skindred – so mancher sagen: „Labert nicht so viel, spielt mehr Musik” – wir finden aber, gerade diese Konversationen, der Humor und den Charme machen den Auftritt zu etwas Besonderem. Es ist ja auch langweilig, wenn Bands wirklich nur Lied für Lied spielen.
Ein kleines Perlchen ist die bei Rock- und Metalbands aktuell sehr beliebte Hommage an Ozzy Osbourne, welche z. B. Tom Morello einen Tag vorher schon dargeboten hat. The Offspring zelebrieren diese Huldigung sogar direkt mit zwei Songs: „Paranoid” von Black Sabbath und „Crazy Train” aus dem Solo-Repertoire des Prince Of Darkness.
The Offspring sind ein absoluter Live-Tipp, welcher eigentlich als Headliner hätte auftreten müssen. Die schiere Menge des Publikums, das enorme Abgeh-Potenzial und die Hitdichte der Punk-Rocker aus Orange County, Kalifornien sind jedenfalls mehr als gerechtfertigt für eine Position als Headliner.

The Cure
Der Headliner-Slot am Freitag steht statt Party und Eskalation im Zeichen der Entschleunigung und Entspannung, aber auch für Trauer, Melancholie und vor allem Nostalgie: The Cure hüllen die Blue Stage in eine ganz besondere Magie.
Die britischen New Wave / Gothic Pop-Rocker sind längst ein absoluter Kultact und laden das Publikum zu einem andächtigen, entspannten Tanz ein, der einen guten Kontrast zum restlichen Partytreiben und dem brachialen Metal des Tages darstellt. Wer dennoch nicht auf Härte und Feuer verzichten möchte, dem bieten sich Ice Nine Kills an, die zeitgleich die Red Stage auseinandernehmen.
Tatsächlich mausern sich The Cure während ihres zweistündigen Sets zu einem der Überraschungshighlights unseres eher hart-gepoltem Redaktionsteams. Der Grund? Es ist alles perfekt! Die melancholische Atmosphäre, die treibende und wie auf dem Album klingende Stimme von Sänger Robert Smith, sein seit den 80er Jahren beibehaltenes einzigartiges Styling und das Feeling, als sei man spät abends in einer Disco im Jahr 1982.
Nicht nur das Publikum zollt diesen Fakten gehörig Respekt, auch das Wetter trifft den Ton genau: Während „Lovesong“ beginnt es leicht zu regnen – ein Beweis dafür, dass nicht nur wir, sondern auch der Himmel den Auftritt berührend findet. Neben dem genannten melancholischen Liebeslied sind „Burn” vom Soundtrack des 90er-Jahre Kult-Horrorfilms „The Crow“ und der erste Hit der Band „Boys Don’t Cry“ die Highlights. Eine kleine Kritik am Rande: The Cure spielen als Headliner Freitag abends und „Friday I’m In Love“ befindet sich nicht auf der Setlist.
Als Fazit können wir sagen, dass sich The Cure live lohnen. Sie sind ein guter Kontrast und unterstreichen die Verteilung der Headliner von Volbeat (rockig), Iron Maiden (klassisch metallisch) und Bring Me The Horizon (modern und hart) hervorragend. Die 50-jährige Bühnenerfahrung merkt man ebenfalls, ohne diese wäre der bis heute andauernde Erfolg der Briten auch nicht selbstverständlich, oder?
Samstag – Mit Kriegsbemalung in den Fotograben
Wenn es zum Samstag einen Fakt gibt, dann dass er auf Krawall gebürstet ist. Der Tag beginnt unscheinbar und heiter mit dem Auftritt der Nickelsdorfer Böhmischen Blasmusik, zu der es Freibier und sehr schöne gelbe Hüte und Sonnenbrillen gibt… und eine sehr diabolische, unvorhergesehene Wendung, die beweist, dass der Tag rau, feurig und spannend wird. Wir spoilern nicht so gerne, daher lest einfach weiter, die dramatische Wendung wird im Verlauf eine Erwähnung finden.
Krawall heißt an dieser Stelle nicht, dass es große Streitereien oder Auseinandersetzungen gab, sondern dass die musikalische Auswahl des Tages mit Bands wie Kanonenfieber, Iron Maiden und Sabaton schon sehr feurige Auftritte bereithält. Da der Samstag auch ein wenig im Zeichen der Connection steht, sind die persönlichen Begegnungen sogar äußerst angenehm und ein klein wenig lustig. Zum Beispiel die Unterhaltung mit zwei Festivalbesuchern (wohnhaft im näheren Umfeld), die begeistert davon waren, welch weiten Weg wir auf uns genommen haben, nur um ihr heimisches Festival zu besuchen, die Unterhaltungen im Pressezelt mit den anderen Fotografen und Redakteuren, der freundliche Besucher, der unser Team perfekt für Sabatons Auftritt gewappnet mit Tarnfarben bemalt hat und als Krönung Jesus, der uns (wortwörtlich) seinen Segen gegeben hat.


Krawall macht am Samstag auch der Geldbeutel. Es geht wieder einmal an den Merch-Stand. Dieses Mal aber nicht für das offizielle Festival-Merchandise, sondern für Bandshirts. Täglich werden die Shirts, Longsleeves, Hoodies, Caps und Co. von den Mitarbeitern gewechselt, sodass immer die performenden Bands oder auch bereits die Bands des kommenden Tages im Fokus stehen. Unser Presseteam greift ordentlich zu bei Shirts zu Iron Maiden, Bring Me The Horizon und Architects. Der Geldbeutel weint fast mehr als der Himmel bei den Nickelsdorfer Böhmischen, das Fanherz aber ist absolutely on fire! An dieser Stelle auch einmal ein Lob an das Cashless-Bezahlsystem, welches wir erst ein wenig kritisch beäugt haben, welches uns aber dann dank der einfachen Handhabe vor Ort an den Getränke- und Essensständen sowie am Merch überzeugt hat.
Natürlich haben wir für euch fleißige Leser neben Connections und Shopping auch die musikalischen Eindrücke zu den Bands, deren Auftritte wir beehren zusammengefasst. Seid gespannt und lest, wie der krawallige Samstag in einem absoluten Highlight enden wird.

Nickelsdorfer Böhmische
Das Nova Rock Publikum hat gewaltigen Durst auf den Start am Samstag: Zu böhmischer Blasmusik gibt es köstliches Freibier – allerdings erhört auch (ähnlich wie bei The Cure am Vortag) der Himmel den Ruf nach Wasser. Dieses Mal übertreibt er jedoch ein wenig. Beschwerden über verwässertes Bier sind jedenfalls wortwörtlich überflüssig, als nach ca. 20 Minuten Spielzeit und Freibierausgabe mit stylischen gelben Hüten und Sonnenbrillen ein wirklich enorm kräftiger Starkregen die Pannonia Fields durchschwemmt.
Unser Redaktionsteam? Das ist vermutlich noch niemals zuvor so schnell gerannt, um die Ausrüstung in Sicherheit zu bringen – ein kleiner, humorvoller Einschub: Bevor das rettende Pressezelt geöffnet wird, ist der Toilettenwagen das Rettungsboot für mehrere Presseteams, die Angst um ihre Ausrüstung haben.
Wir finden es schade, dass der Auftritt der Nickelsdorfer Böhmischen – Achtung Wortwitz – ins Wasser gefallen ist, haben aber die 20 Minuten Spielzeit vor dem sturmbedingten Abbruch wirklich sehr genossen. Das verwässerte Freibier natürlich auch!

Future Palace
Nachdem sich das Wetter beruhigt hat, geht auf der Blue Stage wie geplant das Programm mit der Post Hardcore Formation Future Palace rund um Sängerin Maria Lessing weiter. Die Sonne versucht ihr Bestes, um durch die Wolkendecke des vorherigen Regeneinbruchs zu stoßen und die zahlreichen nassen Festivalbesucher beim Future Palace Auftritt wieder zu trocknen.
Die Band unterdessen lässt sich vom Wetter nicht beeinflussen und liefert einen kraftvollen Auftritt ab, der beim Publikum auch sehr gut ankommt – am besten trocknet man sich eben doch im Moshpit, beim Springen und Tanzen oder in einer guten alten Wall of Death! Die Performance wird gestützt durch positive Botschaften von Sängerin Maria – z.B. jene gegen Sexismus, Homophobie und Transphobie.
Future Palace sind eine der Bands, von denen man mittelfristig gesehen größeren Erfolg erwarten kann. In einer Welt, in der Rock und Post Hardcore mit Frauengesang immer stärker vertreten ist, schaffen sie es, sich musikalisch abzuheben und mit einer gewissen Prise Einzigartigkeit in der Musik zu positionieren – und live wissen sie sehr gut zu überzeugen, das erfahren wir beim Auftritt aus erster Hand.

Kublai Khan TX
Nach der Wall of Death ist vor der Wall of Death, oder? Bei Kublai Khan TX, einer Metalcore-Band aus dem namensunterstützenden US-Bundesstaat Texas gibt es fast gar keine andere Wahl, als zu eskalieren. Die Formation liefert rohen, brachialen Core und heizt das Publikum etwas schroff, aber mit durchaus positiver Resonanz zum Abgehen an.
Die Breakdowns sind hart, die Lyrics harsch und die Moshpits bringen das Areal vor der Blue Stage richtig zum Beben – ein wirklich guter Auftritt. Als musikalische Empfehlung für jene, die Kublai Khan TX nicht kennen, nennen wir den Song „The Mountain Of Coriscana“, welcher bereits im ZW-Radioprogramm lief. Nach dem Auftritt ist klar, die Amerikaner werden sich zukünftig öfter auf den Playlisten finden.

Kanonenfieber
Hätten wir jemals gedacht, dass Sabaton bei ihrem Kriegsthema Konkurrenz bekommen? Kanonenfieber sind zwar musikalisch eine ganz andere Richtung, durch das Thema „Erster Weltkrieg“ sind die beiden Bands aber durchaus in gewisser Weise verbunden. Das betrifft natürlich auch den Einsatz von interessanten Bühnenszenerien, Feuer und Pyroeffekten.
Die maskierte Death-Metal Band, deren Black Metal Einflüsse man nicht abstreiten kann, gilt dabei durchaus als kontrovers, schreibt aber in der Regel kriegskritische Texte. Da diese komplex aufgebaut und mit zahlreichen Einspielern wie zum Beispiel Funksprüchen aus dem frühen 20. Jahrhundert ausgestattet sind, werden diese durchaus missverstanden.
Am meisten hervorzuheben ist das kreative Bühnenbild von Kanonenfieber. Die Bamberger Band betritt maskiert mit Pickelhauben und Militäruniformen die Blue Stage. Im Hintergrund sieht man einen angedeuteten Schützengraben, auf dem zwei feuerspeiende Kanonen stehen. Etwa zur Hälfte des Sets wird die Szenerie maritim umgebaut. Der Hauptfokus liegt auf einem angedeuteten Bug eines Kriegsschiffs, den Sänger „Noise” als Podest benutzt und der selbstverständlich ebenfalls Feuerfontänen speit – definitiv ein Eyecatcher und ein cooles Fotomotiv! Zwischen den Songs gibt es bei Kanonenfieber keine ruhigen Momente. Es werden (zugegeben etwas makaber wirkende) Kriegsgeräusche wie fallende Bomben, Flugzeuge und Gewehrschüsse eingespielt.
Unsere Meinung? Sicherlich etwas kontrovers, aber qualitativ hervorragend. Sowohl live mit der Szenerie, der Aufmachung und dem Gesamtkonzept, als auch auf dem Album mit den epischen, orchestralen Elementen und der reinen Dramaturgie in der Musik. Diese Meinung haben wir anscheinend auch nicht allein: Als wir am Merchandise anstehen, sind die Kanonenfieber-Shirts die heißeste Ware des Tages.

The Rasmus
Einen vergleichsweisen gediegenen Auftritt mit einer beachtlichen Besucherzahl legen die Finnen von The Rasmus auf der Red Stage hin. Neben altbekannten Songs wie „Guilty“ oder „F-F-F Falling“ spielt die Rockband, die in den frühen 2000ern ihren Zenit hatte, zahlreiche Songs von ihrem neusten Output „Weirdo“.
Im Zentrum ist immer Sänger und Wirbelwind Lauri Ylönen mit seiner einzigartigen Stimme, welche man locker aus tausenden Stimmen sofort zweifelsfrei erkennt. Es macht einfach Freude zuzuschauen, wie er mit viel Energie von einer Seite der Bühne auf die andere hüpft, lächelt, mit dem Publikum schäkert, dabei aber keinen einzigen Fehlton verzeichnet. Allgemein ist die Interaktion zwischen Band und Publikum sehr herzlich und von guter Stimmung durchströmt.
Eine kleine (positive) Eskalation gibt es, als The Rasmus zum Schluss ihren größten Hit „In The Shadows“ anspielen und zehntausende Besucher lauthals das prägnante „Oh-ohoo… oh-hooo-hooo“ und den Refrain mitsingen. Ein wirklich cooler Auftritt einer Band, die zwar gealtert ist und lange keinen großen Hit gelandet hat, aber keinerlei Energie verloren hat und immer noch weiß, wie man eine große Crowd glücklich macht.

Kupfergold
Als ZW-Radio Delegation auf dem Nova Rock ist es fast schon eine Pflicht, den Auftritt von den „Assi-Folk“ Rockern Kupfergold zu besuchen. Wie erwartet werden wir auch nicht enttäuscht: Es herrscht eine ausgelassene, fröhliche Stimmung vor und auf der Red Bull Stage. Kupfergold freuen sich sehr, so viele Leute auf einem Festival vor der Stage zu haben, auf das sie nach eigener Aussage eigentlich gar nicht so arg passen.
Auch ist es nach Aussage der Band der erste Festivalauftritt außerhalb Deutschlands – by the way ein cooler Place-to-be als deutsche Medienplattform beim ersten Auslandsfestival von Kupfergold mit dabei zu sein. Österreich kann sich unterdessen glücklich schätzen, viele Perlen vom neusten Album „Fasan Alarm“ live erleben zu dürfen – zum Beispiel der beliebte Ohrwurm „Und N Tripper“, welche die Sängerin mit einem fiesen, aber zum Motto der Band passenden Satz einleitet: „An all die Arschlöcher und Wichser, die jetzt nicht mitmachen: Wir wünschen euch einen Tripper“. Also was tun wir? Natürlich brav gehorchen und feiern!
Alles in allem gibt es beim Set von Kupfergold allerlei Freude, Lachen und den Charme der von Dialekt geprägten Ansprachen von Sängerin Bonnie Banks. Wir freuen uns jetzt schon auf den nächsten Auftritt, von dem wir sicherlich wieder jede Menge Assi-Ohrwürmer mitnehmen können.

Alter Bridge
Das Herz eines jeden WWE-Fans schlägt höher, wenn der Name Alter Bridge ertönt. Die US-amerikanische Alternative Metal Band ist besonders für die Einlaufmusik des Wrestlers Edge bekannt. „Metalingus“ heißt der Titel der – zugeben eine etwas vorgegriffene Information – auch eines der Highlights des Nova Rock Sets auf der Blue Stage ist.
Wenn wir aber schon von Highlights reden, haben wir als direkten Kontrast zum eher rhythmisch harten „Metalingus” den acht Minuten langen Melancholie- und Rockepos „Blackbird“. Das Lied ist mit seinem emotionalen Refrain „Let the wind carry you home… blackbird, fly away… may you never be broken again” eine Art „Beerdigungssong”, vielmehr aber der größte Beweis für den schier unglaublichen Stimmumfang von Leadsänger Myles Kennedy. Seine Stimme ist emotional, extrem kräftig und an Einzigartigkeit kaum zu überbieten – oder umgangssprachlich gesagt: „OMG, hat der ein Organ!”
Nicht verstecken muss sich übrigens auch Backgroundsänger und Gitarrist Mark Tremoti, welcher selbst Frontmann einer weiteren beliebten, nach ihm benannten Alternative Metal Band ist. Bei einem Song darf Mark sogar die Lead Vocals übernehmen und somit den zehntausenden Fans sein Gesangstalent unter Beweis stellen – wobei, das haben die meisten Besucher wohl ohnehin schon gewusst.
Der Auftritt bedarf gar nicht viel Anheiz-Interaktion von Myles und Mark, da das Publikum bereits von allein gut aufgeladen ist und sich kompromisslos auf die Mischung aus Metal und großer Emotion einlässt. Wir sind jedenfalls sehr happy, ein paar unserer liebsten Teenie-Hits endlich nach so langer Zeit live zu erleben und wippen daher anerkennend mit dem Kopf mit und applaudieren.
Iron Maiden
„Things go strange when it’s getting dark” sagt Bruce Dickinson, bevor er den 1980er Song „Phantom Of The Opera” ankündigt. Es ist das vierte Lied des Sets und das Publikum ist bereits wortwörtlich Feuer und Flamme – okay, das war es bereits, als das Intro der legendären britischen Metal Band Iron Maiden erklingt. Der Legendenstatus wird im Spätjahr 2026 übrigens in Stein gemeißelt: Iron Maiden werden in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen.
Um die Review kurz zu fassen: Die Musik ist live bombastisch gut mit dezent eingesetztem Feuer, das Publikum ist trotz des über zwei Stunden langen Sets zahlreich und mitfiebernd (selbst weit abseits an den Flanken der Bühne) und Maskottchen Eddie bekommt viel Liebe von den Zuschauern.
Nun zu dem Punkt, den wir am besten finden am Auftritt: Es kommen ausschließlich alte Songs. Ja, neue Musik ist gut und wichtig, aber was gibt es Geileres, als einem Iron Maiden Auftritt beizuwohnen, der einen fühlen lässt, als wäre es 1992? Die „neusten” Stücke sind tatsächlich vom Album „Fear Of The Dark” – zum Beispiel der ikonische Titeltrack. Abseits davon gibt es eine ganz große Ladung 80er-Metal Feeling mit Songs wie „2 Minutes To Midnight”, „The Number Of The Beast”, „Hallowed By Thy Name” oder „Run To The Hills” – was zugegeben unglaublich gut klingt, wenn geschätzt 100.000 Menschen den Refrain mitsingen.
Ein bisschen Modernität zieht in den Auftritt dennoch ein, als z.B. „Aces High” als erster Zugabe-Song mit einem Video bestehend aus Kriegsaufnahmen und einer Rede von Winston Churchill eingeleitet wird – wir finden aber ohnehin: Zu einem guten Auftritt gehört auch eine kleine Portion Theatralik. In diesem Sinne: Bravo, Iron Maiden! Das war ein grandioses Headliner-Set.
Sabaton
Winston Churchills Rede und der Auftritt von Kanonenfieber sollen nicht die einzigen Kriegsreferenzen am Samstag bleiben. Okay, Sabaton sind ja dafür bekannt, nahezu ausschließlich Kriegsthemen in ihrer Musik zu verarbeiten. Womit wir allerdings nicht gerechnet haben, ist die unglaublich bombastische Show, die uns bei Sabaton erwarten wird.
Man kann es nur so ausdrücken: Habt ihr schon einmal von Rammsteins unglaublicher Feuer-, Pyro- und Feuerwerksshow gehört? Sabaton haben Rammstein am Samstag spät in der Nacht starke Konkurrenz gemacht. Eine unheimlich große Menge an Feuerwerk bei mehreren Songs, welche in einem wahren Bombenhagel an Feuerwerkskörpern zum finalen Song „To Hell And Back” enden sowie Pyro- und Feuereinsatz bei jedem (!) Song.
Der größte Eyecatcher ist aber ein meterhoher Panzer, auf dem sich der Drummer befindet. Haben wir schon erwähnt, dass der Panzer mitten im Set nach oben gezogen wird und Feuerfontänen schießen kann? Nun wisst ihr es. Achja, wem all diese Effekte noch nicht episch genug waren: Einen Live-Chor, den die orchestral getriebene Musik hervorragend untermalt, haben die schwedischen Power Metaller auch mit dabei.
Eine weitere Stärke der Band, welche aber allgemein bekannt ist, ist der Gesang von Sänger Joakim Brodén, welcher wirklich jeden einzelnen Ton trifft und damit das Live-Erlebnis so gut macht, wie es auch auf dem Album klingt. Wir jedenfalls freuen uns sehr über fesselnde Power Metal Hymnen wie „Ghost Divison”, „Primo Victoria”, „Swedish Pagans” und den Songs des aktuellen Albums „Legends”. Übrigens: Respekt an die Menge Bier, die Joakim auf der Bühne trinkt – das Publikum zumindest heizt ihn alle paar Songs mit „one more beer” fleißig an, weiterzumachen.

Sonntag – Wehmütiger Abschied am besten Festivaltag ever
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge starten wir in den Sonntag. Morgens bereits das Auto gepackt, damit wir direkt nach dem Auftritt vom letzten Headliner Bring Me The Horizon aufbrechen können, machen wir uns ein letztes Mal für 2026 auf zu den Pannonia Fields. Die Überschrift für den Tag ist indes optimal gewählt – denn rein musikalisch gesehen ist der Sonntag trotz ca. einem Drittel weniger Bands und einer bereits geschlossenen und bei Ankunft skelettierten Bühne (Red Stage) der vermutlich stärkste Veranstaltungstag, den wir jemals bei einem Festival haben erleben dürfen. Vom Beginn bis zum Ende reihen sich sonntags absolute High-class Bands ein – und das merkt man auch in der Crowd. Das Publikum ist von Anfang an sehr zahlreich und trotz bereits drei vergangenen Festivaltagen äußert fit am Start.
Das Wetter verabschiedet sich vom Nova Rock 2026 mit einem heiteren Mix aus Sonne und Wolken – weniger abwechslungsreich aber äußert freundlich. Wir sind gut gestimmt in Anbetracht der großartigen Bands, die heute auf uns warten. Ein bisschen Wehmütigkeit mischt sich dennoch dazu. Auch wenn die Beine müde sind, will das Herz am liebsten noch einmal vier Tage Nova Rock dranhängen – denn das Feeling ist einzigartig und im positiven Sinne nicht vergleichbar mit anderen Festivals, die wir bisher besucht haben.
Ein kleiner ZW-Insider darf nicht fehlen. Wir können den Beitrag allein unseres Mitglieds Ayanami zu Ehren nicht abschließen, ohne ein paar Worte über die Toiletten zu sagen – das ist einfach sein Steckenpferd. Wir sind entzückt darüber, wie oft und schnell die Dixis geleert werden. Wir selbst sind zwar dankbar über den gut gepflegten, stets recht sauberen Toilettenwagen in der Presse Area, aber es besteht immer das Gefühl, die Festivalbesucher seien weitestgehend zufrieden mit ihren Donnerbalken. Und auch geruchstechnisch gibt es (außer einmal in unmittelbarer Nähe bei der Leerung) keine Einwände.
Nachdem dieser wichtige Punkt behandelt wurde, wird es nun Zeit zum finalen musikalischen Einblick und dem Abschluss der 2026er Ausgabe des Nova Rock Festivals. Es folgen wieder die Bands des Tages, für welche sich, wenn man das Line-up anschaut, das Weiterlesen mehr als nur lohnt!

P.O.D.
Fresh from San Diego, California: Let me introduce you to P.O.D. – eine der bekanntesten Bands aus der legendären 2000er Nu Metal Ära. Oftmals als One-Hit-Wonder abgestempelt, haben die Amerikaner eine breite Palette an guten rhythmischen Songs, welche teils eine enorme Energie haben. Diese Power setzen die Jungs um den ikonischen Sänger Sonny Sandoval auch ab dem ersten Moment, dem Opener „Boom” vom erfolgreichsten Output „Satellite” von 2001, um. Von jenem Album sollen bis zum Ende des Sets gemeinsam mit dem neusten Album „Veritas” die meisten Songs gespielt werden – jeweils drei an der Zahl.
Sonny hat das Publikum direkt unter Kontrolle und sorgt dafür, dass jedes einzelne Lied auf seine Weise zu einer Party eskaliert – wobei die größten Hits von P.O.D. eher entspannt sind. „Youth Of The Nation” wird uns in der Live-Version lange in Erinnerung bleiben – einfach, weil es atemberaubend nice ist, wenn geschätzt 100.000 Leute den Refrain „We are we are… the youth of the nation” lauthals mitsingen.
P.O.D. fühlen sich auf der Festivalbühne wohl, können große Mengen an Publikum händeln und haben eine breite Palette an Songs, die live hervorragend für eine Eskalation sorgen können. Eigentlich hätten die Kalifornier eine deutlich längere Spielzeit als nur 40 Minuten verdient. Aber wer weiß: Nach diesem überzeugenden Auftritt ist der nächste Besuch auf der Nova Rock Bühne vielleicht etwas länger.

Hollywood Undead
Die nächste Band auf der Blue Stage ist Hollywood Undead – ein enorm guter Übergang zu den vorher auf der gleichen Bühne spielenden P.O.D. Nu Metallern. Vom Empfinden her ist der Andrang sogar noch deutlich größer – aber wen wundert es? Hollywood Undead stehen seit 20 Jahren für eine enorm abwechslungsreiche Musik, welche jegliche Genregrenzen sprengt, aber stets ein Element gemein hat: Ein großes Partypotenzial. Dieses nutzen die Amerikaner aus Los Angeles auch vollkommen aus, wie die Party-Eskalationen bei „Undead” oder „Riot”, welches wirklich einem Moshpit-, Spring- und Tanzaufstand gleicht, zeigen.
Ein schöner WTF-Moment ist, als die Jungs ein Cover von Neil Diamonds Ohrwurm „Sweet Caroline” spielen. Auch ein Indiz, dass die Jungs sich nicht ganz so ernst nehmen und Spaß auf der Bühne haben. Hollywood Undead können jedoch auch selbst Ohrwürmer kreieren – der Beweis ist das etwas kinky angekündigte Lied „Everywhere I Go” vom 2008er Debütalbum „Swan Songs”. Das Publikum singt bereits vorher die Hook „Everywhere I go… bitches always know… that Charlie Scene has got a weenie that he loves to show”. Eben jener deutet anschließend mit einem trockenen „You asked for it” an, seine Hose zu öffnen.
Fazit: HU machen live unglaublich viel Spaß, aber das ist etwas, das wir auch vorher schon gewusst haben. Sind sie in der Stadt, lohnt sich ein Besuch bei einem Konzert allemal – und dabei ist fast egal, auf welche Musik man primär steht. Denn wie erwähnt: Es gibt kaum eine Band, die Genregrenzen so gut sprengen kann wie Hollywood Undead.

Three Days Grace
Einen interessanten Move haben Three Days Grace gemacht, als 2024 der originale Sänger Adam Gontier wieder zur Band kam. Der zwischenzeitliche Sänger Matt Walst wurde aber nicht ersetzt, sondern behalten. Für die Fans ist das eine fantastische Lösung, denn die alten Songs wie „I Hate Everything About You” oder „Animal I Have Become” und die neueren Outputs wie „So Called Life” können mit ihren Originalstimmen performt werden. Der andere Sänger übernimmt dabei jeweils die Backing Vocals.
Genügend gemeinsam gesungenes Material gibt es allerdings auch: 2025 haben Three Days Grace mit beiden Sängern das Album „Alienation” aufgenommen, welches im Nova Rock Set mit einigen Songs, z. B. der ersten Single „Mayday”, vertreten ist. Man merkt sofort, dass die Band in fast 30 Jahren nichts an Beliebtheit eingebüßt hat. Das Publikum feiert die eingängigen Beats, singt fleißig mit und schreit mehrmals zwischen den Songs euphorisch den Bandbamen „Three Days Grace”.
Das Sänger-Duo macht einen fantastischen Job, trifft die Töne und heizt das Publikum sehr gut an – z. B. bei „Riot”, nach Hollywood Undead quasi den zweiten Aufstand des Sonntags. Ein echt guter Auftritt, der nur ein Manko hat: Der größte Hit der Band, „Pain” vom 2006er Album „One-X” wird nicht gespielt. Aber diese Tatsache verzeihen wir den Alternative Rockern aus Kanada großzügig, da jeder andere Song im Set absolut on point war – von rhythmisch rockig, Party bis hin zur Ballade.

Architects
Die Briten um Sänger Sam Carter sind im Moment auf Erfolgskurs. Das letzte Album „The Sky, The Earth And All Between” war ein großer Erfolg, der den Weg dafür geebnet hat, in absehbarer Zeit Festivals zu headlinen. Beim Nova Rock 2026 ist das noch nicht der Fall, die Beliebtheit der Metalcore-Band zeigt sich aber im Ausmaß und dem Jubel des Publikums.
Herzstück des Auftritts ist Sam, der viel mit dem Publikum interagiert und mit seiner einzigartigen Stimme den catchy Refrains und brechenden Breakdowns eine ganz gewisse Emotionalität gibt – zum Beispiel beim Emotionskracher „Doomsday”. Die großen Highlights sind allerdings die Songs vom neusten Album. Architects kennen diesen Fakt ganz genau, denn vom 2025er Erfolgsalbum, dass wir am Anfang der Review bereits kurz erwähnten, werden insgesamt acht Lieder gespielt. Im Spotlight dabei der catchy-Metalcore-Breaker „Blackhole”, der größte Moshpit-Song des ganzen Tages „Brain Dead” sowie der emotionale, fast schon pop-rockige Break vom restlichen Set „Everything Ends”.
Den Abschluss macht der 2021er Song „Animals”, welcher in der Live-Version mit zusätzlichen Screams noch ein wenig härter gestaltet wird als auf dem Album. Wir sind uns sicher, dass Architects beim nächsten Besuch des Nova Rocks zu einem noch späteren Zeitpunkt, mindestens als Co-Headliner auftreten werden – die Briten haben eine glorreiche Zukunft vor sich!
Papa Roach
„Cut my life into pieces… this is my last resort!” – Wer kennt diese Zeile nicht? Es ist nicht nur ein Szene-Hit, es ist auch im Mainstream einer der größten Hits, den die frühen 2000er Jahre gesehen haben. Papa Roach gehört zu den Bands, die ihren enormen Erfolg vom ersten Album an bis heute mitgetragen haben und dementsprechend eine gewaltige Crowd versammeln können.
Im Fokus steht dabei nicht nur ausschließlich Party und gute Laune, auch eine Prise Emotionalität und Gedanken an eine schlechtere Vergangenheit. So erzählt Leadsänger Jacoby Shaddix vor dem Song „Scars” von einer Zeit, in der sein Leben zu sehr von schlechten Einflüssen, Drogen und Alkohol dominiert war. Motivierend ist dabei der Hinweis, dass man egal, wie sehr man im Moment seelisch leidet, einen Ausweg finden kann.
Ein besonderes Highlight sind dieses Mal gar nicht die alten Hits der Nu-Metaller, sondern die beiden neusten Songs. Das liegt vorwiegend daran, dass Papa Roach nicht allein über die Festivalbühnen Europas touren, sondern familiäre Unterstützung mitgebracht haben: Jacobys Söhne Jagger (singt bei „See U In Hell” – Teil des Soundtracks der Netflix-Serie „Devil May Cry” mit) und Brixton (singt bei „Braindead” mit). Besonderes letzterer sorgt für einen unvergesslichen Moment: Man rechnet nicht damit, als mitten im Song ein kleiner Stöpsel von zwölf Jahren auf die Bühne springt und die Bridge mit Rap und Harsh Vocals par excellence und besser als so manch Großer rockt. Für Brixton gab es in diesem Sinne höchstverdient einen enormen Applaus.
Cooles Gimmick kurz vor Ende des Sets: Die Nu Metal Time Machine. Papa Roach nehmen vier bekannte Nu Metal Songs, die sie jeweils bis zum ersten Refrain als Medley covern: „Blind” von Korn, „My Own Summer (Shove It)” von Deftones, „Break Stuff” von Limp Bizkit und „Chop Suey” von System Of A Down. Als letzte Stufe der Nu Metal Time Machine und zum Abschluss der Show spielen Papa Roach ihren eigenen größten Hit: „Last Resort”.
Bring Me The Horizon
Man kann es schon ahnen, dass der Auftritt von Bring Me The Horizon episch wird, wenn die Bühne mit einem Vorhang verhängt wird und bereits 45 Minuten vor dem Auftritt auf den Bildschirmen an den Flanken der Blue Stage verschiedene Animationen, die Systemmeldungen eines Computers darstellen, laufen. Zwischenzeitlich werden die Hintergründe mit im späten 90er-Jahre Vibe Videospielsequenzen unterbrochen.
Viele Fans haben sicherlich erst Ende März im Kino gesehen, wie die aktuelle Aufmachung von BMTHs Auftritten ist und kennen das Konzept daher sehr gut. Die Theatralik des Auftritts besteht aus verschiedenen Akten, die jeweils mit einem Videointro im Game-Design gehalten, eingeleitet werden. Bekannt sind zum Beispiel der Aura-Gauger, welcher das Publikum scannt und dabei auf die Videoleinwand verschiedene Elemente wie Teufelshörner hinzufügt.
Alles in allem ist der Auftritt ein atmosphärisches und theatralisches Meisterwerk und vermutlich der beste Abschluss, den man sich für ein eindrucksvolles und großartiges Nova Rock 2026 Festival vorstellen kann. Als bekennende BMTH-Fans schauen wir aber auch ein wenig kritisch auf die Bühne, denn es handelt sich um den ersten Auftritt der britischen Band aus Sheffield, den wir ohne den musikalischen Mastermind Jordan Fish erleben. Jordan ist zwar kein Gründungsmitglied, hat aber den Sound der letzten 13 Jahre maßgeblich mitgestaltet und den Weg von BMTH von einer Spartenband zu einem international erfolgreichen Act geebnet.
Das kurze Fazit: BMTH haben in keiner Weise an ihrer Live-Darstellungskraft eingebüßt. Sänger Oli Sykes hat die Menge sofort im Griff, interagiert mit dem Publikum, hält Ansprachen und weiß, die ikonischsten Hits der Band zu performen. Der Fokus liegt dabei auf den beiden Alben „Sempiternal” (2013), dem bekanntesten Album der Band und für viele Metalcore-Fans der „heilige Gral” sowie dem etwas rockigeren Album „That’s The Spirit” (2015).
Die ikonischsten Lieder von BMTH, die am Sonntag über die Blue Stage ballern sind „Can You Feel My Heart”, „Shadow Moses”, „Mantra” und „Throne”, welches dem kurz davor verstorbenen Musiker Oliver Tree gewidmet wird. Die emotionalen Höhepunkte des Auftritts sind die Songs „Doomed”, welches mit einem langen und berührendem Videointro als erster Song in der Zugabe gespielt wird sowie das darauffolgende „Drown”.
An Herzlichkeit kaum zu überbieten ist Sänger Oli, der trotz seiner eher traurig gestimmten Musik eine enorme Wärme auf das Publikum überträgt – einfach durch seinen unvergleichlichen Charme und seine nette Art… okay, ein wenig auch durch die Pyro- und Feuereffekte, welche am eindrucksvollstem bei einem der neueren Songs („Kool-Aid”) sind.
Nachdem BMTH ihr abwechslungsreiches Set aus Metalcore Hymnen, rockigen Songs und catchy-Hooks mit emotionalen Botschaften beendet haben, wird der Horizont von einem eindrucksvollen und großen Feuerwerk gesäumt. Es ist das große Finale des Nova Rock 2026 – und wir sind glücklicherweise ein Teil davon.

Zukunftsausblick und Danksagung
Nach dem Nova Rock ist vor dem Nova Rock. So gibt es bereits früh einen ersten Ausblick auf die Bands, welche 2027 die Pannonia Fields rocken werden. Der erste bestätigte Headliner sind die legendären deutschen Punkrocker Die Ärzte. Zu ihnen gesellen sich Metalcore / Horrorcore Stars von Motionless In White sowie die polarisierende Partyband TBS (The Butcher Sisters), die ähnlich wie Hollywood Undead nichts von Genregrenzen hält. Auch wenn es bisher nur drei Bands sind, klingt das schon nach Vorfreude pur! Wir sind gespannt, welche Interpreten sich im Laufe der nächsten elf Monate noch dazugesellen werden.
Wir jedenfalls sagen ein ganz großes Dankeschön an die Barracuda Music GmbH, die es uns ermöglicht hat, zum zweiten Mal vom Nova Rock Festival zu berichten sowie an das gesamte Team im Pressezelt, welches einen sehr guten Job gemacht, uns immer mit einem Lächeln empfangen und uns den Aufenthalt auf dem Infield sehr angenehm gemacht hat.
Ein weiteres Dankeschön geht an das Security-Personal vor der Bühne, dem keine Anstrengung zu viel war, jeden einzelnen der echt zahlreichen Crowdsurfer sicher zurück auf den Boden zu bringen und bei jedem Auftritt mit Freude und einem Lächeln dabei war.
Das Sicherheitspersonal abseits der Bühne und auch die Polizei haben einen großen Dank verdient. Ihre Arbeit hat es allen Besuchern möglich gemacht, friedliche vier Tage bei Musik, Party und guter Stimmung zu genießen.
Vielen Dank an all das stets freundliche Personal an den vielen Essens- und Getränkeständen sowie am Merchandise und den Shops an der Shoppingmeile. Ihr hat immer einen kühlen Kopf bewahrt, selbst wenn ihr kaum einen Moment der Ruhe hattet und sich Unmengen von Menschen an euren Buden getummelt haben – wir haben großen Respekt vor dieser Arbeit!
Auch ein Dank geht natürlich an die vielen Mitarbeiter, die man nicht aktiv zu Gesicht bekommt. Die Logistik hinter der Bühne, die Versorgung der Essens- und Getränkestände, die Leerung und Pflege der Sanitäranlagen – all das sind Bereiche, ohne die das Festival gar nicht stattfinden könnte. Zumindest von der Perspektive vor der Bühne lief alles reibungslos – ihr macht einen guten Job!
Ein Dank geht auch raus an die vielen, uns zum Großteil nicht namentlich bekannten Menschen, die wir auf dem Festivalgelände getroffen und mit denen wir gute Unterhaltungen geführt haben – ihr habt uns das Festivalfeeling stark versüßt – zum Beispiel die Dudes, die mit uns während Iron Maiden ein längeres Gespräch geführt haben oder unser Freund mit den Tarnfarben.
Wir glauben, all die Menschen, die sich tagtäglich in kreative Outfits, Jumpsuits, Kostüme oder Cosplays werfen haben auch einen großen Dank verdient – sie sind es, die das Festival um ein ganzes Stück farbenfroher machen und dabei den anderen Gästen beweisen, dass man sich auch für die schrägsten Outfits nicht schämen muss, solange es einem selbst gefällt oder man Spaß daran hat. Ein kleines Zeichen, dass man sich selbst nicht ganz so ernst nehmen muss in einer Welt, in der genau das immer mehr zu einem Problem wird.
Unsere lieben Kollegen von den internationalen Presseportalen, mit denen wir im und außerhalb des Pressezelts gelacht, gefeiert und beim Starkregen sogar im Toilettenwagen gekuschelt haben: Vielen Dank, es ist immer ein schönes und besonderes Gefühl, ein Teil des Presseteams zu sein.
Natürlich vielen Dank an die vielen Bands und Künstler, die mit ihrer Musik und ihrem Programm das Nova Rock zu dem machen, wofür über 200.000 Menschen aus vielen Ländern anreisen: Eine gewaltige Party mit viel guter Musik, ein Gemeinschaftsgefühl ohnegleichen und vor allem die beste Auszeit vom Alltag, die man sich überhaupt nur vorstellen kann.
Und auch, wenn anfangs schon erwähnt: Ein Dankeschön an das Gästehaus Elisabeth Weinhandl in Podersdorf am Neusiedler See. Der Service, das Frühstück, die Gastfreundschaft, das Zimmer, die Lage – es war wirklich alles perfekt an unserem Aufenthalt bei euch. Wir melden uns im nächsten Jahr wieder bei euch!
Der letzte Dank geht an Anna und Tom, bei denen wir auf dem langen Hinweg zwei längere Pausen mit viel Spaß und Lachen gemacht haben – wer weiß, vielleicht überraschen wir euch 2027 wieder, wenn es auf zu den Pannonia Fields geht.
Normalerweise macht man das nicht, aber nach so viel Danksagung kann man es auch ruhig in Caps Lock schreiben: VIELEN DANK NOVA ROCK! Die 2026er Ausgabe war wie 2025 schon ein fantastisches Erlebnis. Wir freuen uns, 2027 wieder zu kommen – aller guten Dinge sind schließlich drei.
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