Die Geschichte von Tubala: Kapitel 2 – Die Flucht (Teil 3: Die Klamm)

Die drei sahen, dass sie nur wenig bis keine Chance hatten.

Sina rief: „Am Fluss entlang!“ Sandria lief los in Richtung Quelle, welche nach ein paar Metern in einen Fluss mündete. Jarik versuchte noch die Soldaten, sie sich in seiner Nähe befanden, umzuwerfen – was ihm nur teilweise gelang. Dies war jedoch ausreichend, um sich Luft zu verschaffen und los zu rennen. Sina war die schnellste von allen und rannte voraus.

„Wieso am Fluss entlang?“, fragte Sandria verdutzt. Jarik versuchte mit Sandria zusammen den Anschluss an Sina zu halten. Sie schauten zurück und konnten viele Soldaten dicht an ihren Fersen erkennen. Die Landschaft wandelte sich langsam und begann hügeliger zu werden. Hinter ihnen ertönte das Geräusch von Hufen. „Auch das noch… Sie haben Pferde!“, stellte Jarik mit Entsetzen fest. Was zu bedeuten hatte, dass sie nun schnell wie der Wind sein mussten, um überhaupt eine Chance zu haben. Nur wie sollten sie es anstellen? Die Hügel wurden links und rechts immer steiler und erdiger. Die Landschaft schien ihrer Flucht nicht wohlgesonnen. Der Fluss lies sich nicht beirren und floss beständig weiter. Allmählich bot das Ufer keinen Platz mehr und sie mussten in das flache Wasser am Rande ausweichen. Die Pferde schienen sie damit jedoch los zu sein. Typisch Fluchttier wollten diese nicht in das schmale Tal mit dem Fluss.

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In der Klamm beginnt der Fluss zu rauschen und schwimmen wird schwer

Die Hänge wurden felsiger, aber Bäume hielten sich wacker an selbigen fest und wuchsen empor. Im Wasser waren die Soldaten schwerfälliger unterwegs als die flinke dreier Gruppe. Sie liefen weiter. Die Kleider der Damen waren bis zu den Knien nass geworden und die Hose von Jarik hatte sich bis zu den Schienbeinen voll gesogen. Sina – die wohl die agilste von allen – stellte fest, dass es Bogenschützen auf Pferden auf die Hänge oberhalb geschafft hatten.
„Achtung, Bogenschützen von oben!“, warnte sie. Jarik und Sandria schauten dorthin. „Das wird ja immer besser…“, fluchte Sandria. Sie rannten weiter. Der Fluss wurde tiefer und Sina war die erste, die schwimmen musste. Sie erspähte einen Baumstamm über den Fluss und hielt sich schnell daran fest. Dieser schien genau vor einer Höhle zu liegen.

Jarik, der noch im Fluss stehen konnte, half Sina an Land und sie gingen an den Anfang der Höhle. „Ist das dunkel da hinten… Ich kann nichts sehen. So kommen wir nicht durch.“, stellte Jarik ernüchternd fest. Sandria schaute fertig und erschöpft drein. Sie hatte genug. Sina schien einiges an Wasser geschluckt zu haben, welches sich nun durch Husten seinen Weg aus der Lunge suchte. Sandria fragte: „Nimmt es denn kein Ende?“ „Nein erst wenn wir weit genug weg sind.“, antwortete Sina keuchend. Sie schaute Sandria an und fragte trotzig: „Denkt ihr immer noch, dass ich jetzt wieder in den Rock gemacht habe? Nur weil dieser nass ist?“ Sandria schaute beleidigt und betreten zugleich weg. Jarik klinkte sich mit einer Feststellung ein:“ Meine Dame, ich glaube das hat sie euch sehr übel genommen.“ Dabei konnte er sich das Grinsen nicht verkneifen.

In diesem Moment fiel Jarik auf, dass er sein Schwert verloren hatte. „Verdammt…“, entfloh es ihn. „Mein Schwert“. „Toll.“, kommentierte Sina begeistert, „Bin ich jetzt die einzige Bewaffnete unter uns?“ Jarik und Sina schauten sich an und mussten einsehen, dass sie Recht hatte. Im tiefen Fluss hatten sie durch das Schwimmen und die Strömung, ohne es zu bemerken, ihre Ausrüstung verloren. Sina wagte einen Blick nach draußen und konnte erkennen, dass die Soldaten sich nicht in das Wasser trauten und im Begriff waren die Verfolgung fürs Erste aufzugeben. „Gut, die Soldaten sind wir vorerst los. Was geht es weiter?“, fragte Sina in die Runde. Nach kurzem Schweigen antwortet Sandria: „Naja, hier können wir offensichtlich nicht bleiben.“ „Für einen Durchgang ist es zu dunkel.“, warf Jarik direkt als Einwand ein. „Gut, da niemand eine Fackel dabei hat und wir nicht Flussaufwärts können, müssen wir wohl Flussabwärts.“, schlussfolgerte Sina. „Wenn wir nicht krank werden wollen, müssen wir so langsam aufbrechen.“ Jarik schaute daraufhin fragend drein: „Und wie wollen wir genau weiter kommen? Als einzige Option bleibt uns das Schwimmen.“ Sina stand auf und ging in Richtung Fluss. Sandria und Jarik sahen sich an und folgten ihr. Was blieb ihnen auch anderes übrig? Sina tastete sich Schritt für Schritt entlang des Flusses um nicht abzurutschen. Jarik schob Sandria ein bisschen vor sich her, die sehr ängstlich und unbeholfen den Weg entlang des Flusses ging.

Plötzlich hörten sie ein Rauschen in der Ferne. „Was ist das?“, fragte Sandria und bekam von Sina prompt zur Antwort: „Nur ein Wasserfall, oder eine Stromschnelle.“ Jarik hinterfragte sie: „Wart Ihr schon einmal hier, Sina? Kennt Ihr den Fluss?“ „Nein noch nicht so weit. Das war mir dann doch zu gefährlich hier stecken zu bleiben und nicht mehr zurück zu kommen. Aber dank euch ist es jetzt ja egal. Ich habe den Soldaten nichts getan und plötzlich werde ich mit Pfeilen beschossen.“, verteidigte sich Sina. Jarik beschwichtigte darauf: „Ja das kann ich verstehen. Ich versichere euch, es war keine Absicht von uns, euch von eurem Heim zu vertreiben. Das tut uns wirklich leid, Sina.“ „Ja schon gut Jarik. Ich glaube euch“, gab Sina zu verstehen.

Sie hörten, wie das Rauschen des Flusses immer stärker wurde.

Plötzlich rutschte Sandria aus und fiel ins Wasser. Jarik griff nach Sandria, verfehlte sie und verlor ebenfalls das Gleichgewicht und landete im Fluss. Sina die als letzten Halt für Sandria herhalten sollte, rutschte beim Versuch, sich an ihrem Bein festzuhalten ebenso in den Fluss.

Nun wurden alle drei von der starken Strömung mitgerissen. Verzweifelt versuchten sie sich irgendwo festzuhalten.

Jarik erspähte glücklicherweise einen größeren Ast, packte zu und fand Halt. Sandria bekam mit Ach und Krach ein Bein von Jarik zu fassen. Dieser sah Sina wie sie von der Strömung vorbei getrieben wurde und ergriff ihre Hand. Nun hingen die drei an einem Ast. Sina fragte: „Wird der Fluss etwa immer schneller oder bilde ich mir das ein?“ „Ja und ich rutsche ab.“, kam noch von Jarik als es plötzlich weiter Flussabwärts ging.

Jetzt merkten die drei schnell das der Fluss plötzlich ein enormes Tempo aufnahm und sie direkt auf einen Wasserfall zutrieb.

„Scheisse!“, hörte man Jarik noch schimpfen, bevor alle drei mit lautem Geschrei den Wasserfall hinunter fielen.
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Über Stefanowitz

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