Der Hexer von Salem

Eine Produktion von Lindenblatt Record

Ein Projekt glückt nicht immer. Manchmal muss man feststellen, dass man scheitert oder man selbst mit der Umsetzung nicht zurechtkommt, wie man dachte. Nichtsdestotrotz war es mir ein inneres Blumenpflücken. Ich habe mir etwas vorgenommen: Das nächste Interview führe ich unter vier Augen und wenn ich dafür zu Stefan nach München tuckere und wir da im Biergarten bei nem Wurstsalat und nem alkoholfreien Radler über die weitere Produktion sprechen.

Stefan Lindner, die treibende Kraft hinter Lindenblatt Record, hat sich von mir ein wenig mit Fragen löchern lassen. Heute geht auch der zweite Teil des Hexers von Salem in den Vorverkauf, schauts euch an, es lohnt sicht!

  Stefan Lindner, Lindenblatt Records  

Borgongar: Hallo Stefan! Nachdem wir 2016 das erste Mal in Kontakt getreten sind, anlässlich meiner Begeisterung zu “Abwärts”, darf ich dich heute hier begrüßen zu einem kleinen Gespräch. Doch bevor wir da tiefer einsteigen, warum wir uns heute hier austauschen, stell dich doch erstmal vor, damit die Leser eine Idee haben, wer du bist und was du machst.

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Stefan: Hi! Ja … Wie du ja bereits erwähnt hast, heiße ich Stefan, bin fast so alt, wie ich aussehe und lebe in einer kleinen Stadt, im westlichen Speckgürtel von München. Im Jahr 2011 rief ich das Label “Lindenblatt Records” ins Leben, um, gemeinsam mit einem kleinen Kollektiv, einige selbstverfasste Geschichten zu vertonen und anschließend unters Volk zu bringen. Über die Jahre wuchs das Kollektiv und auch unsere Produktionen wurden immer aufwändiger und professioneller. Und jetzt stehen wir hier mit einer fetten neuen Serie im Gepäck.

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Borgongar: Wie kommt man auf die Idee ein Label für Hörspiele zu eröffnen? Seid ihr da beruflich schon im Thema gewesen oder teilt ihr euch einfach die Hörspielfreuden seit der Kindheit und wolltet das dann auch probieren?

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Stefan: Der Ausgangspunkt waren besagte Kurzgeschichten, die ich geschrieben hatte. Während ich überlegte, wie ich diese am besten bei irgendwelchen Verlagen unterbringen könnte, kam meinem Bruder Thomas und mir der Gedanke, sie einfach zu vertonen. Thomas ist Musiker (Sänger der Folk Rock Band Schandmaul). Ihm stand sowohl das technische Equipment zur Verfügung, als auch ein gewisses Know-how bei Aufnahmen und anschließender Bearbeitung. Und tatsächlich sind wir beide seit frühester Kindheit große Hörspiel Fans. Die eigentliche Labelgründung war dann erstmal eine rein rechtliche Geschichte, da man für den offiziellen Verkauf im Internet ein Gewerbe anmelden muss.

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Borgongar: Es ist ja im Vergleich zu anderen Bereichen auch eine Nische, die ihr da aufgetan habt. Da ist die Chance natürlich größer auch gesehen zu werden. Nun sagtest du, ihr habt zu Beginn nur deine eigenen Geschichten vertonen wollen. Euer aktuelles Werk aber, Der Hexer von Salem, ist im Original von Wolfgang Hohlbein. Wie kam es dazu?

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Stefan: Ich würde jetzt gar nicht unbedingt sagen, dass die Chance gesehen zu werden größer ist. Dafür sind Erwachsenen Hörspiele vielleicht tatsächlich zuuu sehr Nische. Aber natürlich kann man heutzutage bei Hörspielen vergleichsweise leicht Sachen umsetzen, für die z.B. im Filmbereich ein riesiges Budget nötig wäre. Wir haben zuerst nur Geschichten von mir umgesetzt und werden das auch wieder machen, aber ich hatte eben auch Lust auf andere Geschichten zurück zu greifen. Dies war bei einem Thriller von Frank Göhre der Fall oder bei einer Novelle von Mark Twain. Und der Hexer jetzt, ist natürlich ein kleiner Jackpot. Ich habe die Romane als Teenager geradezu verschlungen und hatte riesig Bock darauf. Ich bin sehr happy, dass wir da den Zuschlag bekommen haben.

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Borgongar: In der Tat darf ich gestehen, dass ich zu den Büchern keinen Bezug hatte. Man kennt den Autor und ein, zwei Bücher von ihm, aber dieses Exemplar im Speziellen war mir fremd. Ähnlich übermannte mich auch unvorbereitet eine Hörspielreihe, die diverse Poe-Geschichten verstrickte. Bei eurer Produktion fällt auf, dass ihr wahnsinnig beeindruckende Stimmen ausgewählt habt. Wie sieht so ein Auswahlverfahren aus? Ab einer gewissen Anzahl Rollen wird es ja schwer werden diese aus dem eigenen Bekanntenkreis zu ziehen, oder?

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 Stefan Lindner mit Patrick Borlé , 
dem Sprecher der Hauptrolle Robert Craven

Stefan: Das stimmt. Wir besetzen nach wie vor Leute aus den eigenen Reihen, aber inzwischen sind es doch hauptsächlich professionelle Sprecherinnen und Sprecher. Wir machen das ja jetzt auch schon eine Weile und sind mittlerweile recht gut vernetzt. Das Auswahlverfahren richtet sich tatsächlich in erster Linie danach, wie die Rollen in meinem Kopf klingen. Dann auch, inwiefern die verschiedenen Stimmen im gemeinsamen Dialog zusammen passen würden. Und zu guter Letzt, wie gut gewünschte Stimmen für uns erreichbar sind. So buchen wir, als Münchner Label, eben auch verhältnismäßig viele Schauspieler aus unserer Stadt. Das hat ganz nebenbei den Vorteil, dass die hiesigen Stimmen zwar oft aus Film und Fernsehen bekannt sind, aber im Hörspiel Bereich noch nicht ganz so überpresent Verwendung fanden.

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Borgongar: Du sprichst Schauspieler an, die man aus dem Fernsehen kennen könnte. Hast du da Beispiele von Menschen bzw Stimmen, mit denen ihr da zusammengearbeitet habt, die man kennen könnte?  Ich selbst hatte so ein Erlebnis bei den drei Fragezeichen, als mir unmittelbar bewusst wurde, dass das Hausmädchen die Synchronstimme von Whoopi Goldberg war. 

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Stefan: Klar, zuletzt waren es zB: Claudia Urbschat-Mingues, der deutschen Stimme von Angelina Jolie, Willi Röbke, der seit jeher Scooby-Doo synchronisiert, Manfred Erdmann (u.a. bekannt als Dr. Zoidberg) oder Tommi Piper (Alf). Für kommende Produktionen hatte ich gerade Thomas Albus vor dem Mikro, der zB den Hai „Bruce“ in „Findet Nemo“ gesprochen hat. Oder Oliver Mink, den man aus unzähligen Werbespots kennt, als Station Voice von Pro 7 und natürlich als Marc Wahlberg.

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Borgongar: Na das sind definitiv Stimmen, die man kennt und mit dem Wissen bestimmt erkennt. Du sprichst die kommenden Produktionen an, geht es hierbei um die Fortsetzung von “Der Hexer von Salem”, oder sind parallel noch andere Projekte in der Mache? 

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Stefan: Es entstehen parallel noch mehrere völlig unterschiedliche andere Sachen. Horror Storys, so ein SciFi-Ding, eher klassische Literatur, ein Kindermärchen oder auch die Fortsetzung unserer Cyberpunk Reihe „Humanemy“. Und darüber hinaus reichende Ideen gibt es auch noch viele. Allerdings liegt das Hauptaugenmerk momentan klar auf dem Hexer. Diese Serie muss erst mal geschmeidig und routiniert laufen, bevor ich unserem Team weitere Baustellen mit Termindruck zumuten kann. Aber dennoch schreiten eben auch die anderen Projekte in kleinen Schritten voran. Mal schauen, wann da was fertig wird.

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Und das waren keine leeren Versprechen – heute geht der zweite Teil vom Hexer von Salem in den Vorverkauf. Der Hype ist real und ich kann jedem nur empfehlen Mal auf der Homepage von Lindenblatt Records vorbeizuschauen und sich die Hörproben anzuhören, die dort zur Verfügung gestellt werden. Ich persönlich bin unendlich gespannt, was uns da alles noch erreichen wird. Ich danke Stefan an dieser Stelle nochmals in aller Form für seine Zeit und sein Engagement. Es war mir eine Ehre.

Borgongar

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